Editorial Juni

Opernwelt - Logo

Es gibt Stimmen, die bringen nach jahrzehntelanger beruflicher Belastung noch immer entspannte Töne hin: Töne, bei denen man die Sängerin oder den Sänger für viel jünger halten würde, als er bzw. sie zum Zeitpunkt der Aufnahme oder Aufführung war bzw. ist. Nicht nur Töne, sondern auch Triller, saubere, genaue Phrasierung, gestaltete Dynamik. Solche Künstler hören irgendwann auf zu singen, weil der Körper als Ganzes nicht mehr die Spannkraft für große Partien hergibt, keineswegs aber, weil die Stimme als Organ irgendwie geschädigt wäre. Es gab Zeiten, da war das der Normalfall.

Warum ist es so selten geworden? Warum werden Sängerinnen und Sänger mit ramponierten Stimmbändern immer jünger?

Eine leichte Antwort oder gar Schuldzuweisungen kann es nicht geben. Vieles kommt zusammen. Das Tempo des Musikmarktes, das zu immer früher vorgenommenen Fachwechseln drängt, ist ein wichtiger Faktor. Ein anderer ist die von Agenturen ausgehandelte Dichte an Vorstellungen, bei der Stimmen sich nicht wirklich entspannen können. Zu laute Orchester tragen ihren Teil dazu bei. Dirigenten, Studienleiter, Regisseure, die nichts verstehen von inneren Gesetzmäßigkeiten der Stimme. Plattenfirmen, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Ist die Zukunft schon wieder vorbei?

Es wäre müßig, ein weiteres Mal die Querelen um die Oper der Stadt Köln im Detail aufzurollen. Das ist in den letzten Monaten oft geschehen, auch in dieser Zeitschrift (siehe OW 12/2011). Darum hier nur eine kurze Erinnerung. 2009 ist das Kölner Opernhaus baulich marode und künstlerisch bedeutungslos. Der neue Intendant Uwe-Eric Laufenberg soll es wieder auf...

Feuerprobe bestanden

Oper – ein elitäres Unternehmen? Aber, nein! Den Beweis trat jetzt das Theater Bremen an mit der Uraufführung des Auftragswerkes «All diese Tage», einer «Zeitoper» von Moritz Eggert. In dem Stück geht es um Alltagsgeschichten. Die Librettistin Andrea Heuser hat sie aus Gesprächen herausdestilliert, die sie mit Bremer Jugendlichen führte – um mehr zu erfahren über...

Dekonstruktion der Dekonstruktion

Das Saarbrücker Staatstheater feiert als einziges Opernhaus im deutschsprachigen Raum (Ams­terdam, London und Bologna waren da aufmerksamer) den 60. Geburtstag von Wolfgang Rihm mit einer großen Opernproduktion. Kein Zufall. Zum einen haben die Theatermacher am westlichen Rand der Republik in der zu Ende gehenden Ära von Operndirektor Berthold Schäfer eine...