Editorial Juni
Es gibt Stimmen, die bringen nach jahrzehntelanger beruflicher Belastung noch immer entspannte Töne hin: Töne, bei denen man die Sängerin oder den Sänger für viel jünger halten würde, als er bzw. sie zum Zeitpunkt der Aufnahme oder Aufführung war bzw. ist. Nicht nur Töne, sondern auch Triller, saubere, genaue Phrasierung, gestaltete Dynamik. Solche Künstler hören irgendwann auf zu singen, weil der Körper als Ganzes nicht mehr die Spannkraft für große Partien hergibt, keineswegs aber, weil die Stimme als Organ irgendwie geschädigt wäre. Es gab Zeiten, da war das der Normalfall.
Warum ist es so selten geworden? Warum werden Sängerinnen und Sänger mit ramponierten Stimmbändern immer jünger?
Eine leichte Antwort oder gar Schuldzuweisungen kann es nicht geben. Vieles kommt zusammen. Das Tempo des Musikmarktes, das zu immer früher vorgenommenen Fachwechseln drängt, ist ein wichtiger Faktor. Ein anderer ist die von Agenturen ausgehandelte Dichte an Vorstellungen, bei der Stimmen sich nicht wirklich entspannen können. Zu laute Orchester tragen ihren Teil dazu bei. Dirigenten, Studienleiter, Regisseure, die nichts verstehen von inneren Gesetzmäßigkeiten der Stimme. Plattenfirmen, die ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
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Das Saarbrücker Staatstheater feiert als einziges Opernhaus im deutschsprachigen Raum (Amsterdam, London und Bologna waren da aufmerksamer) den 60. Geburtstag von Wolfgang Rihm mit einer großen Opernproduktion. Kein Zufall. Zum einen haben die Theatermacher am westlichen Rand der Republik in der zu Ende gehenden Ära von Operndirektor Berthold Schäfer eine...
Eigentlich sollte sie schon im Auto nach Mailand sitzen. Am Opernstudio der Scala warteten bereits die nächsten Schützlinge. Junge Sängerinnen und Sänger, die sich nach dem Studium und ersten Schritten in die Berufspraxis von ihr den letzten Schliff für die Karriere erhoffen. Aber auf einen Sprung schaut Mirella Freni dann doch noch in ihrer eigenen Gesangsakademie...
