Editorial Juni

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Es gibt Stimmen, die bringen nach jahrzehntelanger beruflicher Belastung noch immer entspannte Töne hin: Töne, bei denen man die Sängerin oder den Sänger für viel jünger halten würde, als er bzw. sie zum Zeitpunkt der Aufnahme oder Aufführung war bzw. ist. Nicht nur Töne, sondern auch Triller, saubere, genaue Phrasierung, gestaltete Dynamik. Solche Künstler hören irgendwann auf zu singen, weil der Körper als Ganzes nicht mehr die Spannkraft für große Partien hergibt, keineswegs aber, weil die Stimme als Organ irgendwie geschädigt wäre. Es gab Zeiten, da war das der Normalfall.

Warum ist es so selten geworden? Warum werden Sängerinnen und Sänger mit ramponierten Stimmbändern immer jünger?

Eine leichte Antwort oder gar Schuldzuweisungen kann es nicht geben. Vieles kommt zusammen. Das Tempo des Musikmarktes, das zu immer früher vorgenommenen Fachwechseln drängt, ist ein wichtiger Faktor. Ein anderer ist die von Agenturen ausgehandelte Dichte an Vorstellungen, bei der Stimmen sich nicht wirklich entspannen können. Zu laute Orchester tragen ihren Teil dazu bei. Dirigenten, Studienleiter, Regisseure, die nichts verstehen von inneren Gesetzmäßigkeiten der Stimme. Plattenfirmen, die ...

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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

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