Editorial
Wenn es um der Menschheit liebste runde Sache geht, stürmt Plácido Domingo meist in der ersten Angriffsreihe. Ehedem lieferten ihm José Carreras und Luciano Pavarotti dabei vokale Steilvorlagen, doch notfalls schaukelt er das Ding auch als einzige Spitze. Drei Tage vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 9.
Juni gibt Domingo im alten Münchner Olympiastadion einmal mehr den Spielmacher – als Star einer musikalischen Schaupartie, zu der alle drei philharmonischen Spitzenteams der bayerischen Metropole samt ihrer Cheftrainer Zubin Mehta, Christian Thielemann und Mariss Jansons verpflichtet wurden. Eine «symphonische Reise durch Klang, Raum und Licht» ist annonciert, «mit weltbekannten Hits aus Klassik und Pop». Mehr als vierhundert Musiker und Choristen werden dem Tenorissimo und bekennenden Fußball-Pilger assistieren. Die Deutsche Nationalmannschaft, trotz ihrer über Fankurven-Niveau nie hinausgekommenen Stimmkünste von der Plattenindustrie immer wieder ins Studio gebeten («Fußball ist unser Leben» 1974, «Far Away in America» 1994), ist dem Vernehmen nach in München nicht dabei.
Auch bei seinem mit Rücksicht auf den FIFA-Spielplan terminierten Freiluft-Auftritt in der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
So gefühlvoll wurde die Kernbotschaft der Bergpredigt nie wieder in Musik gesetzt: «Selig sind, die Verfolgung leiden» brachte es in der Vertonung Wilhelm Kienzls sogar zu Wunschkonzertreife. Doch hüte man sich vor Häme. Denn Kienzls Opernerstling «Der Evangelimann» (1895) kann, wenn er sensibel und unsentimental musiziert und inszeniert wird wie in dieser neuen...
«Die Rezitative sind zwar musikalisch nicht außergewöhnlich, literarisch sind sie aber von erster Güte. Auch nur ein Wort zu streichen, wäre ein barbarischer Akt. Die musikalischen Schwächen können durch einen vollendeten Vortrag wettgemacht oder durch ‹Retuschen› behoben werden. Die erstere – eine Notwendigkeit – ist Aufgabe der Sänger, die zweite – eine...
Es dauert noch etwas, bis der auf Vorschuss verliehene Titel «Bayerisches Staatstheater» im fränkischen Nürnberg wirklich eingelöst wird. Doch der neue Name schmückt schon mal das Haus, auch wenn der Freistaat erst 2009 die Hälfte der Subventionen übernimmt, die bis dahin weiter mehrheitlich aus der klammen Stadtkasse kommen. Oberbürgermeister Ulrich Maly hatte...
