Editorial 11/22
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch im Kulturbetrieb, der ja ohnehin federführend für das Fach «Glaube, Liebe, Utopien» zuständig ist. Und wohl nur so kann man jene Äußerungen verstehen, die Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), unlängst in einem Gespräch mit dem Magazin «concerti» von sich gab: An den Auslastungszahlen manch großer Sommerfestivals ließe sich, so Mertens, ablesen, dass das Publikum zur klassischen Musik zurückgekehrt sei.
Auch die Zahlen für Abonnements seien beileibe nicht so schlecht, wie man es vermuten könnte: «Die Tonhalle Düsseldorf ist mit ihren Abo-Zahlen auf Vor-Corona-Niveau angekommen, die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz konnte bei den Abonnentenzahlen ein Plus von 51% einfahren.» Wir wissen: Das ist erstaunlich, will sagen mindestens naiv, wenn nicht bemüht positiv und verkürzend in der Darstellung. Die deutschsprachigen Opern- und Konzerthäuser leiden seit Monaten unter massiven Verkaufseinbrüchen, Ausnahmen bestätigen die Regel. Vielerorts schaut man sich betroffen im halbleeren Saal um.
Nimmt man, wie bekanntlich in den vielen Monaten der Pandemieschließung geschehen, den Menschen ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Arno Lücker
Johann Sigismund Kusser war wie viele Musiker seiner Zeit ein Kosmopolit wider Willen, ruhelos hin- und hergetrieben zwischen den konkurrierenden Fürstenhöfen, kurzum: ein «weitgereister Musiker», wie die australische Musikologin Samantha Owens ihre 2017 erschienene Monografie betitelte. Mit vierzehn kam der im damals ungarischen Preßburg geborene Sohn eines...
Die Welt nach Erath ist eine Scheibe, und ungefähr neun Zehntel davon gehören dem Orchester. Die Szene – immerhin ist die Geschichte des Untergangs von Troja und danach die von Liebe und Verrat in Karthago zu erzählen – findet fast ausschließlich auf dem schmalen Randstreifen statt. Daneben ist auf der einen Seite gerade noch Platz für jene sechs Harfen, die...
Vorab die Frage der Fassung: Modena, 1886. Eine kluge Wahl. Denn Modena war Verdis letztes Wort in einer (siebenteiligen) Causa, die komplizierter klingt als sie ist. Den (fünfaktigen) «Don Carlos» schrieb er für Paris und die dortigen Usancen, den (vieraktigen) «Don Carlo» für sein Heimatland. Dass die italienische Version vorzuziehen ist, lässt sich in jeder...
