Editorial 11/22
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch im Kulturbetrieb, der ja ohnehin federführend für das Fach «Glaube, Liebe, Utopien» zuständig ist. Und wohl nur so kann man jene Äußerungen verstehen, die Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), unlängst in einem Gespräch mit dem Magazin «concerti» von sich gab: An den Auslastungszahlen manch großer Sommerfestivals ließe sich, so Mertens, ablesen, dass das Publikum zur klassischen Musik zurückgekehrt sei.
Auch die Zahlen für Abonnements seien beileibe nicht so schlecht, wie man es vermuten könnte: «Die Tonhalle Düsseldorf ist mit ihren Abo-Zahlen auf Vor-Corona-Niveau angekommen, die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz konnte bei den Abonnentenzahlen ein Plus von 51% einfahren.» Wir wissen: Das ist erstaunlich, will sagen mindestens naiv, wenn nicht bemüht positiv und verkürzend in der Darstellung. Die deutschsprachigen Opern- und Konzerthäuser leiden seit Monaten unter massiven Verkaufseinbrüchen, Ausnahmen bestätigen die Regel. Vielerorts schaut man sich betroffen im halbleeren Saal um.
Nimmt man, wie bekanntlich in den vielen Monaten der Pandemieschließung geschehen, den Menschen ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Arno Lücker
Der Saarbrücker «Ring» von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka hätte 2020 starten sollen. Die Pandemie verhinderte es und lässt nun die in weißen Schutzanzügen arbeitenden Laboranten auf der Bühne viel gegenwärtiger, auch zeitgeistiger erscheinen, als es geplant gewesen sein muss. Vorab ist zu lesen, dass Szemerédy und Parditka auf Götter und Mythen...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Wagner, «Die Walküre,» «Wotans Abschied» – während und als ich fertig war mit Singen.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Fußdistanz (mit genügend Abstand) zu meinem Zuhause.
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Tolle Kollegen, gute Kantine – und öfter mal das große «Ommm» anstimmen.
Welche Oper halten...
Ist das überhaupt zum Aushalten? Werden sich die Menschen nicht danach umbringen?» So soll Gustav Mahler, die soeben vollendete Partitur seines «Lieds von der Erde» aufschlagend, nach dem Zeugnis Bruno Walters gefragt haben. Heute ist die Symphonie in Liedern mit ihrer unaufgelösten Polarität von Werden und Vergehen im Kanon angekommen. Rund zweihundert Aufnahmen...
