Werden und Vergehen

Mahlers «Lied von der Erde», arrangiert von Arnold Schönberg und Rainer Riehn, in einer Neuaufnahme mit dem Ensemble Le Balcon

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Ist das überhaupt zum Aushalten? Werden sich die Menschen nicht danach umbringen?» So soll Gustav Mahler, die soeben vollendete Partitur seines «Lieds von der Erde» aufschlagend, nach dem Zeugnis Bruno Walters gefragt haben. Heute ist die Symphonie in Liedern mit ihrer unaufgelösten Polarität von Werden und Vergehen im Kanon angekommen.

Rund zweihundert Aufnahmen verzeichnet die Internet-Diskographie der Mahler-Foundation; darunter finden sich im letzten Jahrzehnt überraschenderweise mehr Einspielungen der von vielen Mahlerianern als defizitär empfundenen Version Arnold Schönbergs und Rainer Riehns als der des Originals. Mahlers subtil auskomponierte Osmose von Symphonik und Lied, spätromantisch üppigem Orchesterklang und kammermusikalisch geringstimmigen Passagen geht in der Reduktion für 13 Instrumente zwangsläufig verloren. Dafür legt sie mit ihrem geschärften Klang eine Art Röntgenbild des thematisch-motivischen Gewebes frei – Mahler gleichsam unter der Lupe. Was wir hören, ist fast schon Musik von jenem anderen Planeten, den zur selben Zeit Schönberg als Erster betrat. 

Der Anfang Juli 2020 im Chor der Pariser Basilika Saint-Denis entstandene Livemitschnitt betont diese ...

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Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 35
von Uwe Schweikert

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