Editorial

Opernwelt - Logo

Anfang August hat der Deutsche Bühnenverein mal wieder Zahlen veröffentlicht, die sogenannte Werkstatistik. Die Saison 2014/15 nach Sparten sortiert, in Tabellen quantifiziert, auf 416 Seiten. Neue Einsichten? Nicht wirklich. In der Oper liegen die üblichen Verdächtigen vorn. Allerdings hat Mozart diesmal die Chart-Krone an Verdi verloren. Mit 124 Verdi-Produktionen wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt 1014 Vorstellungen bestritten; Mozarts Stücke zirkulierten in 119 Inszenierungen mit 944 Aufführungen.

In der Einzelwertung freilich zog «Die Zauberflöte» (37 Produktionen/371 Aufführungen/ 349 519 Besucher) doch an «La traviata» (35/334/206 084) vorbei, auch Puccinis «Turandot» rangierte mit 223 903 Zuschauern knapp vor Verdis erfolgreichstem Opus. Alle drei verwiesen «Carmen» und «Hänsel und Gretel» auf die Plätze. Zum Vergleich: Die populärste zeitgenössische Oper, Brittens «The Turn of the Screw», sahen 19 225 Menschen.

Doch was besagen solche Werte? Dass Opernfans konservative Wesen sind, die sich nur auf Bewährtes und Vertrautes einlassen? Dass Intendanten auf Nummer sicher gehen, mit den immergleichen Hits? Die Spielpläne der 140 öffentlich finanzierten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Doppelpack

Am Tag danach war sie schon wieder in der Altstadt unterwegs. Weißblaues Kleid, der Gatte farblich passend gewandet, der Sohn aus erster Ehe ebenfalls dabei. Jeder, der mochte, konnte Salzburgs Royal Patchwork-Family knipsen – Anna Netrebko nimmt das schmerzfrei, ja sportiv: Wo das weltteuerste Festival gerade an akuter Giga-Star-Armut krankt, muss man dem Publikum...

Halbseiden

Ein ehrgeiziges Unternehmen, was da als Auftragswerk der Frankfurter Oper in deren Zweitspielstätte, dem Bockenheimer Depot, lanciert wurde: die Geburt einer «Operette» weit im 21. Jahrhundert. Selbstverständlich zieht Michael Langemanns Anderthalbstünder «Anna Toll oder Die Liebe der Treue» seinen Nährstoff aus der «authentischen» Operettenzeit um 1900; hinter dem...

Auftakt einer Renaissance?

Endlich ist er in Russland angekommen: Mieczyslaw Weinbergs «Idiot». Zwar gab es 1991 ein paar Aufführungen an der Pokrovsky Kammeroper in Moskau, doch gespielt wurde damals eine stark ­gekürzte Fassung, die bald vom Spielplan verschwand. Für das russische Publikum ist Weinberg bis heute eher ein namenloser Filmkomponist als Schöpfer von Klavier- und Kammermusik,...