Mythos Iphigenie
Am Ende des zweiten Akts von Luigi Cherubinis «Ifigenia in Aulide» sind vier Seelen in Aufruhr. Agamemnon soll seine Tochter Iphigenie opfern, damit die Göttin Diana ihm Winde schickt und seine Schiffe endlich nach Troja auslaufen können. Iphigenie will sich dem Schicksal fügen, aber Achill, ihr Verlobter, ist nicht einverstanden. Odysseus drängt, den Willen Dianas zu erfüllen.
Cherubinis letzte italienische Oper war nach der Uraufführung 1788 in Turin ein riesiger Erfolg. Eine Partitur, die den Geist der Zeit atmet.
Man hört, dass der Komponist Bühnenwerke Glucks, Rameaus und anderer Zeitgenossen gekannt haben muss. Auch Mozart scheint anzuklingen. Jedenfalls erinnert die musikalische Charakterisierung der Figuren, etwa in manchen der Bläserfiguren, an die Instrumentierungskunst des Salzburgers. Ob Cherubini das berühmte Quartett aus dem «Idomeneo» kannte, wissen wir zwar nicht, doch der Vergleich drängt sich geradezu auf.
Drei verschiedene Vertonungen des Iphigenie-Stoffes standen im Zentrum der diesjährigen Gluck Opern-Festspiele. Gluck und seine Zeitgenossen – das war von Beginn an der Horizont des in Nürnberg beheimateten Festivals. Dabei schwärmt man gern ins fränkische ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 88
von Elisabeth Richter
Sie war vielleicht die letzte echte Hochdramatische des Wagner- und Richard-Strauss-Fachs. Um ihr hohes C musste man nie zittern, und wenn sie auf der Bühne stand, ging stets eine unverwechselbare Aura von ihr aus. Dass Ute Vinzing, 1936 in Wuppertal geboren, am 9. September bereits ihren 80. Geburtstag feiert, wollen wir kaum glauben.
Ihre Karriere begann in der...
In «Idomeneo», seiner vielleicht radikalsten, jedenfalls vor innovativer Musik geradezu berstenden Oper, zeigt Mozart das Psychodrama eines traumatisierten Kriegsheimkehrers und träumt zugleich eine Aufklärungsutopie. Auf der Rückfahrt vom trojanischen Krieg gerät Idomeneo in einen Sturm und gelobt Neptun, denjenigen zu opfern, der ihm als Erster nach der...
Neben Händels Opern haben mittlerweile auch etliche seiner Oratorien den Weg auf die Bühnen der Welt gefunden. Selbst ein so dezidiert undramatisch angelegtes Werk wie «Messiah» wurde bereits verschiedentlich szenisch realisiert. Händels Oratorium über den alttestamentlichen König Saul hingegen, der dem Wahnsinn verfällt und, von Gott verlassen, in der Schlacht...
