Für Gott
Anders als in anderen Ländern Europas verbringt der aufrechte französische Opernfan selbst den Heiligen Abend gern im Opernhaus oder Konzertsaal. Ob allerdings auch Napoleon ein solcher Aficionado war, als er beschloss, am 24. Dezember 1800 der französischen Erstaufführung von Haydns «Schöpfung» (alias «La Création du monde») in der Pariser Oper beizuwohnen, darf bezweifelt werden.
Zu Weltgeschichte wurde diese Aufführung jedoch wegen des politischen Zusammenhangs: Royalisten wollten den Herrscher, zu dieser Zeit noch nicht Kaiser, sondern Erster Konsul Frankreichs, ins Jenseits sprengen. Der mit Sprengstoff beladene Karren der Attentäter explodierte allerdings schon auf dem Weg zum Opernhaus, viele Unschuldige wurden getötet.
Die Aufführung war indes eine kulturhistorische Tat, weil sie die französische Sprache in die Rezeption mit einführte. Bei dieser Gelegenheit wäre dieses Werk mit deutschem Text unvorstellbar gewesen; obwohl es als Paradigma der Wiener Klassik galt und gilt. Auch war dieses Oratorium kompositions -geschichtlich wie musiksoziologisch wegweisend: Die Kompositionen der sich im 19. Jahrhundert herausbildenden Laienchor-Kultur suchten ihr Vorbild in Haydns ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Medien, Seite 46
von Gerhard Persché
Mit der vorliegenden CD kommt ein beachtliches Projekt des Labels Opera Rara zum Abschluss: die Gesamtaufnahme aller Klavierlieder Donizettis. Als Kirsche auf der Torte liegt nun auch die längste Komposition aus dessen Liedschaffen vor: die von Dante in Verse gefasste Geschichte vom Grafen Ugolino, der 1289 in Pisa mit Söhnen und Enkeln in einem Turm eingeschlossen...
Aus diesen Mauern gibt es kein Entkommen. In Àlex Ollés Inszenierung von Wolfgang Fortners «Bluthochzeit» blickt man in ein steinernes Verlies. Die hohen Wände reichen fast bis an den Schnürboden heran. Unten sitzen Mutter und Sohn an einer langen Tafel. Genügend Platz für eine große Familie, doch die beiden leben allein wie in einer Gruft.
Die Oper beruht auf dem...
Spätestens kurz nach Pfingsten musste man sich sorgen. Die F.A.Z.-Rezension über die Premiere von Rossinis «Il viaggio a Reims» bei den Salzburger Festspielen stammte nicht, wie gewohnt, aus der Feder von Jürgen Kesting, für den die Stadt an der Salzach so etwas wie eine zweite musikalische Heimat geworden war. Seit fast 30 Jahren berichtete Kesting regelmäßig von...
