Drama der Herzen
Mit den ersten Moll-Akkorden der Ouvertüre, den prominent auffahrenden, in diesem Werk so wichtigen Paukenwirbeln, ist alles entschieden: Es sollte ein orchestral phänomenaler Premierenabend in Frankfurt werden. Antonino Fogliani, der mit kreisender, aber deutlicher Gestik an gute alte italienische Kapellmeistertradition erinnerte, an Dirigenten wie Giuseppe Patanè und Nello Santi, hatte alles im Griff – bis zum Schluss dieser «Norma» gab es nicht den Hauch eines Auseinandergehens von Bühne und Graben.
Entscheidender noch: Fogliani setzte jede Nebenstimme ins Recht, nahm die oftmals schematisch wirkenden Begleitfiguren exemplarisch elastisch, entwickelte Farbenflächen und bereitete Kulminationspunkte vor. Der 42-Jährige führte mit dem splendid musizierenden Frankfurter Opern- und Museumsorchester den Beweis, dass auch mit modernem Instrumentarium ein durchleuchteter, sprechender Klanggestus möglich ist, trotz eher weicher Einschwingungsvorgänge, trotz eines in Momenten geradezu molligen Carl-Maria-von-Weber-Tons. Das ist legitim, wenn mit derartiger Phrasierungssubtilität (Flötensolo in der Einleitung zu «Casta Diva»), gespannter Agogik und rauschhafter Steigerungsdramaturgie ...
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