Doppelbödig
Dass die vom Genre der Opéra-bouffe vorgesehene Rettung des Paares aus aussichtsloser Einkerkerung gelingt, liegt an einem alten Gefangenen, der sich seit zwölf Jahren mit einem Messerchen einen Tunnel in die Freiheit gräbt: Im genau richtigen Moment hat er sich nun in die Zelle der Périchole und ihres Piquillo durchgewühlt. Es fehlten, sagt er, bloß noch zwölf weitere Jahre Grabung bis nach draußen.
Worauf warten wir, wir sollten keinen Moment verlieren, sagt er, aber dann findet die mit allen Wassern des Überlebenstrainings auf der Straße gewaschene Straßensängerin Périchole eine schnellere List und wickelt den vor Begehren blinden Vizekönig einmal mehr um den Finger. Als er nach dem Vortrag eines Lieds über die clemenza des hier eher kindsköpfigen denn ernsthaft gemeinten Potentaten Augustus (dem Lionel Lhote sängerische Würde verleiht), die Liebenden begnadigt, muss der alte Gefangene allein zurück ins Loch, nur weil ihm das Vergehen nicht mehr einfällt, dessentwegen er einst eingesperrt wurde. Anzunehmenderweise gab es gar keines.
Das gibt einen kleinen Lacher her vor dem finalen, allgemeinen Can-Can-Getümmel inklusive Einladung zum Mitklatschen. Es wirft aber auch einen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Holger Noltze
In Zürich, so befand seinerzeit ein in der Limmatstadt umtriebiger Intendant, stehe die am nördlichsten gelegene Oper südlicher Ausrichtung. Ganz falsch war die als Selbstrechtfertigung gedachte Feststellung nicht – in gewisser Weise gilt sie auch heute noch. Nicht ohne Stolz verweist Andreas Homoki auf den Umstand, dass in den zwölf Jahren seiner Intendanz 16...
Der Autor blieb anonym. Das aber hinderte Johann Sebastian Bach keineswegs, dessen Verse über einen Sünder, der durch Jesu Trost Fürsprache und Frieden bei Gott findet, für seine Kantate «Allein zu dir, Herr Jesu Christ» zu verwenden, die anno domini 1724, genauer: am 13. Sonntag nach Trinitatis, in der Leipziger Thomaskirche aufgeführt wurde. Vor allem das dritte...
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen
Theater Aachen
www.theateraachen.de
- Mozart, Die Zauberflöte: 2., 25.
- Offenbach, Orpheus in der Unterwelt: 8. (P), 15., 23. ML: Chung, I+B: Dijkema, K: Tadéoni - Kemp, Vom Fischer und seiner Frau: 13., 14., 28.
Altenbur...
