Wonne, Wehmut, Willkür

Mirijam Beiers Monographie über die Sopranistin Marianne Pirker

Opernwelt - Logo

Man schreibt den August 1756, da steht Marianne Pirker als Mandane in Niccolò Jommellis «Artaserse» noch auf der Bühne der Stuttgarter Hofoper. Zwei Wochen später wird sie zusammen mit ihrem Mann, dem Geiger Franz Pirker, verhaftet und – der Willkür des württembergischen Herzogs Carl Eugen ausgeliefert – acht Jahre lang eingesperrt, zunächst auf dem Hohentwiel, dann auf dem Hohenasperg.

Dieses Schicksal vor allem hielt, obschon Pirker nicht zu den herausragenden Sängerinnen ihrer Zeit zählte, das Interesse an ihrer Person wach – bis hin zu romanhaften Annäherungen noch in jüngster Zeit. Mirijam Beier liefert in ihrem Buch nun eine quellenkritische Darstellung von Biographie und Karriere der Künstlerin.

Herkunft und Ausbildung der wohl 1717 Geborenen liegen im Dunkeln. Ins Licht tritt sie erstmals als Mitglied der Mingottischen Operntruppe 1736 in Graz. Ihre Ehe mit dem 16 Jahre älteren Geiger Franz Pirker, der zuvor mit einer ihr verwandten Sängerin verheiratet war, lässt allerdings vermuten, dass sie im Umfeld der «operisti» sozialisiert wurde. Mit den Mingottis blieb sie bis 1742 verbunden und war dann nochmals 1748/50 Bestandteil der in Hamburg und Kopenhagen gastierenden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Medien, Seite 28
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Sternstunde

Der Sturm tobt nur außen. Was gut ist. Man möchte ihn wirklich nicht erleben. Dazu lässt es das Philharmonische Orchester Ulm ordentlich krachen, blitzen und donnern. Es ist ein kosmischer, apokalyptischer Orkan, der alles und jeden wegfegt. Die Menschen haben sich in eine Schutzzone zurückgezogen, einen von Neonlicht erleuchteten Betonraum zwischen Bunker-Anmutung...

Fuchs, du hast mein Herz gestohlen

Das Theater als Tollhaus? Bitte, hier haben wir es! 1500 Schulkinder veranstalten schon vor Beginn der «Familienoper zur Weihnachtszeit» eine Party, wie sie so nicht im Buche steht, jedenfalls nicht in dem jener Erzieherinnen, die sich nach Kräften mühen, die Begeisterung zu dämpfen, damit man die Musik aus dem Graben, wo Neil Valenta seines Amtes waltet, zumindest...

Doppelbödig

Dass die vom Genre der Opéra-bouffe vorgesehene Rettung des Paares aus aussichtsloser Einkerkerung gelingt, liegt an einem alten Gefangenen, der sich seit zwölf Jahren mit einem Messerchen einen Tunnel in die Freiheit gräbt: Im genau richtigen Moment hat er sich nun in die Zelle der Périchole und ihres Piquillo durchgewühlt. Es fehlten, sagt er, bloß noch zwölf...