Bayerische Talentschmiede
Als Volkstheater war das heutige Staatstheater am Gärtnerplatz konzipiert, als es 1865 in München eröffnet wurde. Seitdem hat es wechselhafte Geschicke durchlaufen, aber als Faustregel galt immer: Dem Haus ging es umso besser, je stärker es sich schon im Repertoire von der größeren, finanziell bessergestellten Bayerischen Staatsoper in derselben Stadt absetzte. Je mehr es sich also – ähnlich wie die Komische Oper Berlin oder die Wiener Volksoper – auf die «leichte Muse» in ihrer ganzen Bandbreite fokussierte. Josef E.
Köpplinger, seit gut zehn Jahren Intendant, hat sie definitiv gestärkt, auch mit Uraufführungen in Operette und Musical. Und will in Zukunft dafür sogar den Nachwuchs im eigenen Haus heranziehen: Mit der Spielzeit 2023/24 hat das Gärtnerplatztheater ein eigenes Opernstudio eröffnet, in dem der Schwerpunkt stark auf Spieloper und Operette liegen soll. Schließlich sorgt die klassische Sängerausbildung in Musikhochschulen nicht unbedingt dafür, dass ihre Absolventen auch einen Dialog auf den Punkt servieren oder Schwung in einen Bühnentanz bringen können. Das lernt man besser an Musical-Schulen, die wiederum in der Regel keine Stimmen hervorbringen, die ohne Mikroport ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Michael Stallknecht
Als Jean-Baptiste Lully 1687 starb, stand die Tragédie en musique vor einem epochalen Umbruch. Zwei Musiker schlugen neue Wege ein – André Campra und Henry Desmarest. Campra trug den Sieg davon, weil Desmarest, der begabteste Komponist in Lullys Nachfolge, 1699 aus Frankreich fliehen musste. Es dauerte mehr als drei Jahrhunderte, bis mit der 1694 uraufgeführten...
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