Direkt ins Herz

Rameau: Castor et Pollux an der Oper Paris

Opernwelt - Logo

Die Tragédie en musique «Castor et Pollux» von Jean-Philippe Rameau gehört zu den populärsten Werken des großen Franzosen. Teodor Currentzis und Peter Sellars wählten für ihre Neuproduktion im Palais Garnier die erste, umfangreichere Fassung von 1737. Die fast Wagner’sche Länge dieser Version erlaubte es den Interpreten, sämtliche Facetten von Rameaus zwischen schwebender Leichtigkeit und resignativer Melancholie hin und her schwankenden Musik detailliert auszuwerten.

Der bleibende Eindruck der Premiere ist die leidenschaftliche, allumfassende, berauschende Liebe des Dirigenten zu dieser Musik: So gezielt er die diversen «Explosionen» und anderen dramatischen Höhepunkte ansteuert und zuspitzt, so sehr durchzieht zugleich ein tranceähnlicher Genuss die drei Stunden. Currentzis versteht es, erdnah zu bleiben, ohne je die Nähe zum Himmlischen zu vergessen.

Regisseur Sellars arbeitet dabei Hand in Hand mit ihm. Das Bühnenbild von Joelle Aoun zeigt das alltägliche Interieur einer modernen Wohnung, und zunächst bleiben wir auch dort. Erzählt wird eine Parabel über das Wesentliche im Leben. Die poetischen Videoprojektionen von Alex Mac -Innis, die anfangs eine Metropole bei Nacht zeigen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Alexej Parin

Weitere Beiträge
Die Hölle sind wir alle

Trügerische Dorfidylle. Das große Mühlrad, der kleine Bahnhof, das winzige Kirchlein und ein Pferd, nicht die Kuh, auf dem Dach: Nikolaus Weberns Bühnenbild in Kateryna Sokolovas «Jenůfa»-Inszenierung suggeriert eine gleichermaßen veristisch-naturalistisch wie surrealistische Szenerie – Chagall meets Čapek. Die Kostüme von Constanza Meza-Lopehandias verorten das...

Urbi et orbi

Im oberen Fenster eines bunt bemalten Fachwerkhauses klebt ein selbstgebasteltes Pappschild: «Für die Vielfalt! Gegen rechts!». Hildesheim ist ein kleines Juwel der Fachwerkarchitektur. Neben einer mühevoll wiederaufgebauten Innenstadt, die diesbezüglich im Zweiten Weltkrieg einen großen Bestand eingebüßt hat, gibt es ganze Straßenzüge mit erhaltenen, aufwendig...

Komm, süßer Tod!

Am Jakominiplatz nachts um halb eins. Die letzten Straßenbahnen und Busse schleichen über die eingelassenen Gleise, vor dem ehemaligen Dorotheum, das seit einigen Jahren ein angesagtes Boutique-Hotel beherbergt, warten Taxis auf Kunden, einzelne Passanten schlendern rauchend in Richtung Opernring. 200 Meter weiter, am Kaiser-Josef-Platz, blickt man in erleuchtete...