Verblüffend logisch
Das Bildnis eines jungen Helden, das doch eher eine junge Heldin zeigt, fängt an zu singen. Kurz darauf wandelt die hoch gewachsene brünette Dame, die wir als Wiedergängerin des Ritters Orlando erkennen, leibhaftig über die Bühne des Théâtre du Châtelet. So denn das Zeitalter des Barock, in dem selbst Furien mittels der Magie der Musik besänftigt werden, sich auf die Kraft der Verwandlung versteht, ereignet sich in der Neuinszenierung von Händels reifer, ja, reformierter Opera seria eine nachgerade multiple Transformation.
Jeanne Desoubeaux ist die kluge wie phantasievolle Regisseurin dieser Versuchsanordnung. Mit einem zwar nicht gänzlich neuen, hier aber überaus sinnigen Kunstgriff überbrückt sie die zeitliche Distanz von 1733 bis in unsere Gegenwart; den Unwahrscheinlichkeiten des auf Ariosts «Orlando furioso» basierenden Librettos verleiht sie verblüffende Logik.
Eine tanzende Grundschulklasse (Eleven des Conservatoire Ida Rubinstein) besucht hier die Sonderausstellung zur Heldenlegende des rasenden Roland. Die Gemälde sind um installative Elemente ergänzt: So singt das Hirtenmädchen Dorinda (Giulia Semenzato mit anrührend timbriertem Sopran) ihre erste Arie inmitten eines ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Peter Krause
Dieser Mephisto kommt mir nicht ins Haus!», rief Bertel Braunfels, die Gattin des Komponisten, voller Vorahnung aus, als Adolf Hitler 1920 nach einem Besuch der «Vögel» an Walter Braunfels herangetreten war. Der spätere «Führer» wünschte sich eine Hymne für seine frisch gegründete Partei und hielt den Namen «Braunfels» für urdeutsch, doch der Komponist lehnte ab....
Die Einschätzung stammt aus berufenem Munde. Dieter Schnebel war Anfang der 1990er-Jahre der Lehrer von Michael Wertmüller, und was er, ein Dezennium später, wortreich wie bildmächtig zu Protokoll gab, darf mit winzigen sich verändernden Nuancen auch noch heute für den Schweizer Komponisten gelten: Dessen Musik, so Schnebel, sei «einerseits von roher Kraft,...
Wenzel Strapinski heißt der schüchterne, doch beachtlich schlaue Held in Zemlinskys fast vergessener, jetzt am Staatstheater Cottbus rehabilitierter «Musikalischer Komödie». Nur dank seines brillanten Kostüms und einer zufälligen Begegnung mit einem Kutscher hangelt sich das arme Schneiderlein empor in eine Dorfgemeinschaft und wird aus ihm ein vermeintlicher...
