Verblüffend logisch
Das Bildnis eines jungen Helden, das doch eher eine junge Heldin zeigt, fängt an zu singen. Kurz darauf wandelt die hoch gewachsene brünette Dame, die wir als Wiedergängerin des Ritters Orlando erkennen, leibhaftig über die Bühne des Théâtre du Châtelet. So denn das Zeitalter des Barock, in dem selbst Furien mittels der Magie der Musik besänftigt werden, sich auf die Kraft der Verwandlung versteht, ereignet sich in der Neuinszenierung von Händels reifer, ja, reformierter Opera seria eine nachgerade multiple Transformation.
Jeanne Desoubeaux ist die kluge wie phantasievolle Regisseurin dieser Versuchsanordnung. Mit einem zwar nicht gänzlich neuen, hier aber überaus sinnigen Kunstgriff überbrückt sie die zeitliche Distanz von 1733 bis in unsere Gegenwart; den Unwahrscheinlichkeiten des auf Ariosts «Orlando furioso» basierenden Librettos verleiht sie verblüffende Logik.
Eine tanzende Grundschulklasse (Eleven des Conservatoire Ida Rubinstein) besucht hier die Sonderausstellung zur Heldenlegende des rasenden Roland. Die Gemälde sind um installative Elemente ergänzt: So singt das Hirtenmädchen Dorinda (Giulia Semenzato mit anrührend timbriertem Sopran) ihre erste Arie inmitten eines ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Peter Krause
Wenzel Strapinski heißt der schüchterne, doch beachtlich schlaue Held in Zemlinskys fast vergessener, jetzt am Staatstheater Cottbus rehabilitierter «Musikalischer Komödie». Nur dank seines brillanten Kostüms und einer zufälligen Begegnung mit einem Kutscher hangelt sich das arme Schneiderlein empor in eine Dorfgemeinschaft und wird aus ihm ein vermeintlicher...
Vorn, am linken Bühnenrand, liegt, schlafend, das Tier. Ein Kojote. Der aber zum Glück kein echter Kojote ist – die wolfsähnlichen Steppenwölfe gelten als gefährlich. Dieser ist erstens nicht echt, sondern ein Mensch in Glitzerkleidung mit hochhackigen Schuhen und als Kojote maskiert (der Choreograph des Abends, Ivan Estegneev), er ist zweitens auch ein Freund der...
Gegen Ende findet Oronte doch noch sein Glück, Gyula Rab singt vom «momento di contento». Das macht er sehr schön, allerdings ist der Gute etwas abgelenkt, er wäscht dabei nämlich sein Auto, das von der Unterbühne nach oben gelangte. Ob also das Glück, das er nun empfindet, tatsächlich von dem Wiederfinden der Liebe zu Morgana herrührt, darüber kann man zweifeln,...
