«Dieses junge Mädchen ist ein Teil von mir»
Frau Teige, wie ist es, Teil der Bayreuther Kult-Crew im «Tannhäuser» zu sein?
Ich glaube, das ist wohl nicht nur die gegenwärtig populärste, sondern zugleich die beste Produktion, die derzeit in Bayreuth läuft. Und sie wird Jahr für Jahr weiterentwickelt. Als ich 2023 erstmals dabei war und die Proben starteten, hatte ich großen Respekt davor. Das übte Druck aus. Im vergangenen Sommer saß ich in der Garderobe, als die Ouvertüre gespielt wurde.
Plötzlich hörte ich Applaus und war sehr verwundert – aber es waren die Momente, als das Bild des verstorbenen Stephen Gould eingeblendet wurde. Was für eine berührende Idee. Ich glaube, viele haben geweint.
Sie müssen als Elisabeth in dieser Inszenierung sehr weit gehen. Im dritten Akt gewährt diese Frau Wolfram eine Art Gnaden-Sex. Ist das ein darstellerischer Grenzgang für Sie? Oder sind Sie noch längst nicht an Ihre szenischen Limits gekommen?
Diese Inszenierung finde ich für mich gar nicht so extrem. Aber was ich, wie die meisten Kolleginnen auch nie tun würde: nackt auf die Bühne gehen. Wer will so etwas sehen? Wozu braucht es das? Ich glaube, dass es trotzdem keine allgemein gültigen Limits gibt. Es hängt von der Sängerin, vom Sänger ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Interview, Seite 40
von Markus Thiel
Ein leises «Ach!» entfährt Alkmene am Ende von Kleists Tragikomödie «Amphitryon», sie hat ja auch allen Grund dazu. Was ihr zuvor widerfuhr, hätte wohl auch stärkere Naturen aus der Bahn geworfen; fragt sich nur bei Lichte besehen, ob die göttliche Einmischung in ihre etwas angestaubte Ehe mit dem bedauernswerten Titelhelden nicht womöglich einem innigen...
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Manchmal tat sie gar nichts mehr auf der Bühne. Stand da wie eine erstarrte Singsäule, wie heißes Eis. Weil da diese Präsenz war, die alles und alle an die Wand drückte. Dazu ein Gesang, der im besten Sinne gestisch war, von solch einer Eloquenz und Energie, dass jede Arm -bewegung, jeder Gang nur unnütze Verdoppelung gewesen wäre. Das wusste und weiß Agnes Baltsa,...
