Wenn der Mond schmilzt ...
Die sicherste Bank des demissionierten Wiesbadener Staatstheater-Intendanten Uwe Eric Laufenberg waren im Bereich des Musiktheaters seine guten Kontakte zu Sängerinnen und Sängern, die imposante Besetzungen in die hessische Landeshauptstadt brachten. Das überdeckte einiges, etwa den Umstand, dass zwei Generalmusikdirektoren, Zsolt Hamar und Patrick Lange, vorzeitig aus dem Amt schieden.
Nicht überdecken konnte es auf Dauer den Konflikt zwischen Intendanz und Geschäftsführung (Laufenberg versus Holger von Berg, der weiterhin im Amt ist) und auch nicht die zunehmend miese Stimmung innerhalb des Betriebs. «Wir haben es mit einem Haus in Aufruhr zu tun», sagte Dorothea Hartmann kürzlich unverblümt dem Online-Magazin «Nachtkritik». An der Seite von Beate Heine ist sie, zuletzt an der Deutschen Oper Berlin beschäftigt, im neuen Intendantinnen-Duo schwerpunktmäßig für das Musiktheater zuständig. Eines ist klar: Das Team Hartmann/Heine steht vor Herausforderungen. Jetzt aber sollen Ruhe und Aufbruchstimmung her. Einiges davon boten die beiden Musikpremieren am überfüllten Eröffnungswochenende. Beide Abende waren auch geeignet, das wieder etwas vergrößerte, junge und durch Gäste ergänzte ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Judith von Sternburg
Vor der Koksofenbatterie auf Zeche Zollverein in Essen steht ein Schwimmbecken. Einheimische genießen, unter rostigen Streben plantschend, die heiße Augustsonne. Wenige Meter weiter ein völlig anderes nasses Sujet: In der Mischanlage stecken fast nackte Menschen knöcheltief in aufgetautem Eis. Ein Chor singt Björk. «Longing for tomorrow» ist das Motto der...
Zum sanguinischen Spectaculum lässt Calixto Bieito den Gott des Weines höchstpersönlich auftreten: Als adipöser Senior testet Bacchus den roten Rebensaft; Dionysos, sein griechischer Kollege und Hohepriester des Rausches, assistiert ihm. Gemeinsam befinden sie für gut, was der Chor da in neun riesigen Holzbottichen an Trauben eingestampft hatte. Nun hat die wilde...
Wenn Maria Callas oder Birgit Nilsson die Turandot auf die Bühne brachten, dann taten sie dies nicht nur in hoheitsvollen Gewändern, die an die Herkunft der chinesischen Kaisertochter gemahnen sollten. Die Primadonnen trugen dabei stets überaus üppigen, artistisch aufgetürmten Kopfschmuck, je nach Inszenierung aus Vogelfedern oder bunten Edelsteinen gewirkt, in...
