Vom Glück erschlagen
Einen «märkischen Hamlet» nannte Hans Werner Henze den Prinzen Friedrich von Homburg und fasste damit auf seine Weise den ganz eigentümlichen Charakter von Kleists Bühnenfigur zusammen: sensibel bis an die Grenze zur Lebensuntauglichkeit, umgeben aber von einem Preußentum, das nach absolut verlässlicher Funktion verlangt. Ein Träumer und Empfindsamer ist dieser Offizier, dann aber auch wieder einer, dem das Temperament überschießt, dem auch die Lust am Ruhm nicht fremd ist. Dann übertritt er Befehle der Vorgesetzten und sprengt auf eigene Faust in die Schlacht.
Im Falle der Schlacht von Fehrbellin gegen die Schweden mit hartem Ende: Das Kriegsgericht verurteilt den Eigenmächtigen wegen Befehlsverweigerung, es droht die Erschießung.
Was nun folgt, könnte man in Anlehnung an den Begriff «Entwicklungsroman» ein «Entwicklungsdrama» nennen: Durch die Erfahrung tiefer Todesfurcht gegangen, erkennt der Prinz – ein Individualist –, wie sehr er auf eine Gesellschaft angewiesen ist, deren Hierarchie er sich unterordnen möchte. Er stimmt seinem eigenen Todesurteil zu und wird gerade dafür mit dem Leben beschenkt: Der Prinz hat sich als tauglich erwiesen für ein Umfeld, das sich seinerseits ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Clemens Haustein
Das Solo des Englischhorns tönt hier so hell, klar und schlank aus dem Graben, als wolle es das «Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande» hervorrufen. Doch keine Pastoral-Idylle einer nie geschriebenen zweiten Oper Ludwig van Beethovens wird von diesem imaginären, Schalmei blasenden Hirten im dritten Aufzug mit Klängen gemalt. Tristan identifiziert...
Größer könnte der Kontrast kaum sein: Auf der einen Seite Bernd Alois Zimmermanns «Requiem für einen jungen Dichter» mit seinem gigantischen Aufgebot von drei Chören, großem Orchester, Jazzband, Sängern und Tonbandeinspielungen; auf der anderen Morton Feldmans radikal reduzierte Komposition «Rothko Chapel», eine musikalische Meditation über die Gemälde von Mark...
Ein leises «Ach!» entfährt Alkmene am Ende von Kleists Tragikomödie «Amphitryon», sie hat ja auch allen Grund dazu. Was ihr zuvor widerfuhr, hätte wohl auch stärkere Naturen aus der Bahn geworfen; fragt sich nur bei Lichte besehen, ob die göttliche Einmischung in ihre etwas angestaubte Ehe mit dem bedauernswerten Titelhelden nicht womöglich einem innigen...
