Die zarte Pflanze Glück
Das Glück? Gleicht ein bisschen dem Mond. Allzu selten erscheint es in vollem Glanze, und dann auch nur für Augenblicke, bevor es wieder abnimmt, Stück für Stück, und schließlich wie von Geisterhand verschwunden ist, im Irgendwo, dort also, wo man es nicht findet, selbst wenn man sich auf die Suche danach begibt. Für Jenůfa ist diese Abwesenheit von Glück der Normalzustand, weil ihr Leben aus lauter Missverständnissen besteht und auf Unverstandensein gründet. Sie passt nicht in diese Welt, die das Glück anders definiert als sie selbst, deswegen ist sie zum Scheitern verurteilt.
Alles, was sie in Angriff nimmt, prallt ab an der Faktizität der gesellschaftlichen Realität, aber auch an ihrem Anderssein.
In Tatjana Gürbacas Genfer Inszenierung sieht man das von Anfang an. Jenůfa ist eine Fremde, sie findet keinen Zugang zu dem, was um sie herum passiert. Im adrett gemusterten, blauweißen Sommerkleid, das Silke Willrett ihr geschneidert hat, steht sie unterhalb der dunkel getäfelten Treppe, die Henrik Ahr auf die Bühne des Grand Théâtre gewuchtet hat und die umgrenzt wird von einem gewaltigen Holzdach; in diesem «Haus» wohnt keine Wärme, zudem wirkt es so, als wäre ein Entkommen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Dass ihre Oper bis zur Uraufführung am Theater Freiburg derart an Brisanz gewinnen sollte, hätten sich Librettist Clemens Bechtel und Komponist Fabrice Bollon vermutlich auch nicht träumen lassen. Doch seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine sind so manche Gewissheiten der westlichen Welt diffundiert. Und die Frage des Dafür, Dagegen oder Dazwischen hat eine...
arte
03.07. – 01.25 Uhr
Astor Piazzolla Forever Astor Piazzolla galt als «König des Tangos». Der argentinische Komponist und Bandoneonspieler begründete den Tango Nuevo, indem er den klassischen Tango radikal modernisierte. Anlässlich des 100. Geburtstags von Piazzolla im März 2021 verbindet das Orchestre Philharmonique de Radio France traditionelle und moderne...
Nein, Rivalinnen sind Véronique Gens und Sandrine Piau nicht. Aber nun haben sie erstmals gemeinsam ein Recital aufgenommen, das zwei historischen Vorgängerinnen gewidmet ist, die im ausgehenden 18. Jahrhundert das Pariser Opernleben beherrschten und in der Tat Kontrahentinnen waren – Madame Saint-Huberty (1756-1812), die als Tragödin an der Académie Royale de...
