Abnehmendes Interesse

Die zurückliegende Opernspielzeit machte das Besondere des eigentlich Normalen für jeden greifbar: Live produzierte und rezipierte Bühnenkunst ist durch keine noch so ausgefeilten Online-Angebote wirklich zu ersetzten. Es ist ein Trost, dass einige der großen Häuser jede Möglichkeit, die ihnen die Pandemiebekämpfung erlaubte, offensiv nutzten, um für das Publikum sichtbar zu bleiben. So hat etwa die Bayerische Staatsoper München ihre Verantwortung als großes deutsches Haus mit Anspruch wahrgenommen.

Das gilt für die der Krise abgerungenen Premieren (von Braunfels’ «Vögel», über «Freischütz» und «Rosenkavalier» bis zum «Lear»). Sie wurden auf die Bühne gebracht und waren einem breiten Publikum im allemal gut funktionierenden Stream zugänglich. Neben einer Reihe von speziellen separat dafür gedachten Angeboten. Aber auch kleineren Häusern, wie etwa denen in Meiningen oder Cottbus gelangen in der Pause zwischen Lockdowns mit «Through his teeth» oder «Mazeppa» herausragende Produktionen.

Zu den Regisseuren, die künstlerisch besonders geschickt mit dem Ausweichen ins Online-Format umgingen, gehört Christof Loy mit Zandonais «Francesca da Rimini», die an der Deutschen Oper Berlin sowohl ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 115
von Joachim Lange («Neue Musikzeitung», «Standard», Halle)

Weitere Beiträge
Unter Tränen

Die Gesten der Musikerinnen und Musiker des Balthasar-Neumann-Ensembles stehen für mich symbolhaft für diese – unglaublichen – zurückliegenden zwölf Monate. Wie sie sich am 1. November, nach einer Matinee im Festspielhaus Baden-Baden, unter Tränen voneinander verabschiedeten, sich in den Armen lagen. Im Wissen, dass tags darauf eine neuer Lockdown kommen würde, de...

Enttäuschungen

Das Erschreckende in der vergangenen Spielzeit war für mich die Irrelevanz quasi des gesamten Kulturbetriebs. Systemrelevanz? Fehlanzeige! Das sah beziehungsweise sieht man auch jetzt noch, selbst bei begrenzter Platzauslastung bleiben erhebliche Teile des früheren Publikums weg.

Ein weiterer Schock: wie ungelenk manche Häuser und Institutionen mit der Krise...

Wichtige Sänger und Sängerinnen der Saison

Der unbeugsame Wille zur Macht wird ihm zum Verhängnis. Schon bei Shakespeare. Und ebenso in Giuseppe Verdis Vertonung, einem der dunkelsten Stücke aus der Feder des italianischen Komponisten. Macbeth wird letzlich Opfer seiner (Macht-)Fantasien. Wenn man Luca Salsi an der Wiener Staatsoper erlebt hat, weiß man, wie nahe er dem Irrsinn dabei kommt. Salsi  entpuppt...