«Die Utopie ist da, es gibt sie!»

Eigentlich wollte er Cellist werden. Doch dann entdeckte Lorenzo Fioroni die Musiktheaterregie und zeigt seither, wie richtig diese Entscheidung war. Seine bildmächtigen Arbeiten durchweht ein höchst erfinderischer Geist, der Scharfsinn mit Esprit und Humor verbindet. Ein Gespräch über Intuition, Widersprüche, den Vorteil von Teamarbeit und die Frage, wie man die Welt neu erfinden kann und muss

Opernwelt - Logo

Herr Fioroni, in seinem Roman «Herkunft» beschreibt Saša Stanišić sehr anschaulich, wie polyvalent und widersprüchlich der Begriff ist. Auch bei Ihnen scheint das der Fall zu sein: Dem Namen nach würde man einen Italiener vermuten, aber Sie sind Schweizer und in Deutschland aufgewachsen. Das klingt nach einer polyglotten Identität …
Das stimmt. Identität und Herkunft in Verbindung mit dem Attribut «national» sind mir vollkommen fremd. Aber mein Sehnsuchtsort ist die Region Locarno um den Lago Maggiore.

Gerade im Spätherbst ist dies ein Ort des permanenten Dazwischen, ein Ort zwischen zwei Kulturen; die Landschaft und die Menschen, die sich da treffen, sind so. Für mich hat dieser Herkunftsort Locarno eigentlich weniger mit der Schweiz zu tun, sondern bedeutet mir Übertritt vom Norden in den Süden. Die Landschaft ist Symbol dafür: Wenn man hochschaut, sieht man sich auftürmende Schneeberge, schaut man in den Garten, erblickt man Palmen und Olivenbäume. Ich empfinde eine große Affinität zu beidem und würde mich selbst, mein Denken so definieren – als jemand, der zwischen diesen Kulturen lebt und atmet.

Können Sie die Kulturen konkret beschreiben? Wie sind sie jeweils?
Auf meine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2025
Rubrik: Interview, Seite 32
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Außer Atem

Es ist eine Menge los im neuen Dortmunder «Don Giovanni»: Schon in der Ouvertüre tuscheln der Titelheld und sein Diener auf einer Bank am linken Bühnenrand und brechen in höhnisches Gelächter aus. In rascher Folge huscht auch das übrige Personal herbei. Konstellationen werden angedeutet, stumme Szenen skizzieren die folgenden Turbulenzen. Derweil hat George Petrou...

Unentschieden

Im Kabinett der Frauenfiguren Massenets wirkt sie beinahe wie ein Mauerblümchen. Aber das ist angesichts der Konkurrenz nur zu verständlich, wirft man im Geiste einen Blick auf Thaïs, die frömmelnd-verführerische Kurti -sane, auf das mondäne Gespann Cléopatra und Roma, die geheimnisumwitterte Hérodiade oder auf Ariane, mythisch angehauchte Schwester des Wein- und...

Urbi et orbi

Im oberen Fenster eines bunt bemalten Fachwerkhauses klebt ein selbstgebasteltes Pappschild: «Für die Vielfalt! Gegen rechts!». Hildesheim ist ein kleines Juwel der Fachwerkarchitektur. Neben einer mühevoll wiederaufgebauten Innenstadt, die diesbezüglich im Zweiten Weltkrieg einen großen Bestand eingebüßt hat, gibt es ganze Straßenzüge mit erhaltenen, aufwendig...