«Die Utopie ist da, es gibt sie!»
Herr Fioroni, in seinem Roman «Herkunft» beschreibt Saša Stanišić sehr anschaulich, wie polyvalent und widersprüchlich der Begriff ist. Auch bei Ihnen scheint das der Fall zu sein: Dem Namen nach würde man einen Italiener vermuten, aber Sie sind Schweizer und in Deutschland aufgewachsen. Das klingt nach einer polyglotten Identität …
Das stimmt. Identität und Herkunft in Verbindung mit dem Attribut «national» sind mir vollkommen fremd. Aber mein Sehnsuchtsort ist die Region Locarno um den Lago Maggiore.
Gerade im Spätherbst ist dies ein Ort des permanenten Dazwischen, ein Ort zwischen zwei Kulturen; die Landschaft und die Menschen, die sich da treffen, sind so. Für mich hat dieser Herkunftsort Locarno eigentlich weniger mit der Schweiz zu tun, sondern bedeutet mir Übertritt vom Norden in den Süden. Die Landschaft ist Symbol dafür: Wenn man hochschaut, sieht man sich auftürmende Schneeberge, schaut man in den Garten, erblickt man Palmen und Olivenbäume. Ich empfinde eine große Affinität zu beidem und würde mich selbst, mein Denken so definieren – als jemand, der zwischen diesen Kulturen lebt und atmet.
Können Sie die Kulturen konkret beschreiben? Wie sind sie jeweils?
Auf meine ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Interview, Seite 32
von Jürgen Otten
Dieser Mephisto kommt mir nicht ins Haus!», rief Bertel Braunfels, die Gattin des Komponisten, voller Vorahnung aus, als Adolf Hitler 1920 nach einem Besuch der «Vögel» an Walter Braunfels herangetreten war. Der spätere «Führer» wünschte sich eine Hymne für seine frisch gegründete Partei und hielt den Namen «Braunfels» für urdeutsch, doch der Komponist lehnte ab....
Wenzel Strapinski heißt der schüchterne, doch beachtlich schlaue Held in Zemlinskys fast vergessener, jetzt am Staatstheater Cottbus rehabilitierter «Musikalischer Komödie». Nur dank seines brillanten Kostüms und einer zufälligen Begegnung mit einem Kutscher hangelt sich das arme Schneiderlein empor in eine Dorfgemeinschaft und wird aus ihm ein vermeintlicher...
Zur Zeit der ersten Aufführungen von Giuseppe Verdis «La forza del destino» in Petersburg (1862) und Mailand (1869, in umgearbeiteter Fassung) war das Orchestervorspiel die Schwelle zwischen der gesellschaftlichen Realität und dem ersten Sängerauftritt: Die wenig geachtete Instrumentalmusik diente der Beruhigung der erhitzten Körper und entfesselten Mundwerke; was...
