Ein Werk der Stunde
Dieser Mephisto kommt mir nicht ins Haus!», rief Bertel Braunfels, die Gattin des Komponisten, voller Vorahnung aus, als Adolf Hitler 1920 nach einem Besuch der «Vögel» an Walter Braunfels herangetreten war. Der spätere «Führer» wünschte sich eine Hymne für seine frisch gegründete Partei und hielt den Namen «Braunfels» für urdeutsch, doch der Komponist lehnte ab. 13 Jahre später sollte der jüdische Familienhintergrund für die Entfernung von Braunfels aus allen Ämtern herhalten; der Komponist ging in die innere Emigration und überlebte die Nazi-Diktatur.
Auf der Grundlage der gleichnamigen Komödie von Aristophanes, in der es um die Macht -ergreifung der Vögel auf Initiative zweier Menschen geht, hat Braunfels eine weitsichtige Opern-Fabel geschaffen, in der die Weltordnung durch Demagogie aus den Fugen gerät. In Oldenburg inszeniert Holger Potocki diese Parabel über Verführbarkeit, Größenwahn und den Untergang einer irrsinnigen Vision als farbenfrohes Spektakel; die zahlreichen mehr oder weniger schrägen Vögel (Bühne und Kostüme: Lena Brexendorff ) stehen für gesellschaftliche Vielfalt. Nachdem die zuvor noch bunte Schar mahnende Stimmen überhört hat und nun darauf eingeschworen ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Andreas Ströbl
Das «Urlicht» glimmt noch, aber Samuel Hasselhorn, der mit dem gleichnamigen Album und Orchesterliedern von Mahler, Korngold, Zemlinsky und Braunfels kürzlich erst Furore machte (berechtigter Lohn war die Kür zur «CD des Monats»), bewegt sich bereits wieder in den Gefilden der frühen Romantik, einer ihm zutiefst vertrauten ästhetischen Landschaft: «Licht und...
Multitalent
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Zur Zeit der ersten Aufführungen von Giuseppe Verdis «La forza del destino» in Petersburg (1862) und Mailand (1869, in umgearbeiteter Fassung) war das Orchestervorspiel die Schwelle zwischen der gesellschaftlichen Realität und dem ersten Sängerauftritt: Die wenig geachtete Instrumentalmusik diente der Beruhigung der erhitzten Körper und entfesselten Mundwerke; was...
