Sonne, Mond und Knalleffekte
Angesichts der rassistischen Einwanderungspolitik von Donald Trump hält Regisseur Till Kleine-Möller Bernsteins «West Side Story» von 1957 für brandaktuell. Das Motto «Black Lives Matter» ist jedenfall ganz offensichtlich durch die aus Puerto Rico eingewanderten «Sharks» in schwarzen Lettern auf eine Plastikplane an einem Nachbau des Bethesda-Brunnens im New Yorker Central Park gesprüht; die Botschaft wird später durch Mitglieder der weißen «Jets» verhöhnt und die Plane abgerissen.
Wenn auch die unglückliche Liebesgeschichte in der Bearbeitung durch Bernstein die gleiche bleibt wie bei «Romeo und Julia», steht doch die neue US-amerikanische Ausgrenzungspolitik im Zentrum der Eröffnungsproduktion der Eutiner Festspiele.
Wunderbar harmonisch und integrativ hin -gegen wirkt das Bühnenbild von Jörg Brombacher, denn das Zitat des Brunnens mit der Figur des «Angel of the Waters» vor dem Hintergrund der Schlossgarten-Bäume erinnert deutlich an das New Yorker Original. Das haben in Eutin aber die gegnerischen Gangs mit Parolen vollgesprüht: Sie wollen ihr Revier markieren. Zudem ist das lebensspendende Wasser versiegt; die an einen Friedensengel gemahnende Skulptur wirkt angesichts der am ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 48
von Andreas Ströbl
Sie singen und spielen im «Hotel Metamorphosis», dem Vivaldi-Pasticcio der Salzburger Festspiele, mit großem Aplomb Juno und Minerva. Macht es Spaß, Diva zu sein?
Natürlich! Ich fand es aber anfangs ungewöhnlich, so dominant zu sein. In einer Szene muss ich mit Cecilia Bartoli quasi singend kämpfen. Ich liebe und verehre sie, sie ist meine große Inspiration. Ich...
Was in Salzburg die Felsenreitschule an Herausforderung bedeutet, ist beim Festival d’Avignon der ehemalige Papstpalast. Schon die schieren Dimensionen des Aufführungsortes haben manchen Künstler, Regisseur, Ausstatter verzweifeln – und scheitern lassen. Während die Felsenreitschule allerdings – bei geschlossenem Dach – ein geschützter und nicht nur lichttechnisch...
Wer am Nachmittag vor der Vorstellung noch ein paar Kilometer auf dem Albschäferweg wandert, wähnt sich in einem nachgerade antikischen Arkadien. Da weht ein laues Lüftchen durch die sommerliche Heidelandschaft, die Herden der hier noch wie eh und je umherziehenden Wanderschäfer laufen einem über den Weg. Da will man doch gleich darüber sinnieren, ob das initiale...
