Die Schöne und das Biest
Nicola Porpora ist vor allem als Gesanglehrer zweier weltberühmter Kastraten, Cafarelli und Farinelli, in Erinnerung geblieben. Für sie schrieb er die Partien des Ulisse und des Aci im «Polifemo», seiner bekanntesten Oper, die 1735 in der mit Händels Opernakademie konkurrierenden Londoner Adelsoper zur Uraufführung kam. Mit dem begnadeten Melodiker und psychologischen Seelenerkunder Händel in den gleichzeitig entstandenen Opern «Ariodante» und «Alcina» kann er sich nicht messen.
Aber er brilliert nicht nur mit den Bravourarien seiner Stars, die an Geläufigkeit fast alles übertreffen, was man aus dieser Zeit kennt, sondern setzt szenische Akzente, indem er das starre Prinzip der Abgangsarien durch expressive Rezitative, dramatische Orchester-Rezitative und Duette aufbricht. Auf diese Weise weiß er das tragikomische Libretto zu konturieren, in dessen Handlung Paolo Antonio Rolli zwei antike Mythen um den einäugigen Riesen Polyphem miteinander verbindet. Da der so lüsterne wie hässliche Barbar der Nymphe Galatea ihr Liebesglück nicht gönnt, tötet er den Schäfer Aci durch einen Felsblock und wird zur Strafe dafür von Ulisse, der sich auf der Heimfahrt vom trojanischen Krieg die Zeit ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Medien, Seite 44
von Uwe Schweikert
Die Schwierigkeiten, Beethovens «Fidelio» zu inszenieren, werden von der Güte der Musik und der Berühmtheit des Urhebers regelmäßig weggeschwemmt. Die Schwierigkeiten liegen darin, dass auf der Bühne viel weniger passiert, als uns die Musik verspricht. Und wenn etwas passiert, passiert eigentlich immer noch so gut wie nichts. Schließlich geht alles gut aus – so...
Jeder Takt überraschend. Keine Spur von Kitsch.» So urteilte Anton von Webern im Gedankenaustausch mit Arnold Schönberg über «La fanciulla del West». Puccini selbst wollte sich mit dieser Oper tatsächlich neu erfinden. Er war davon überzeugt, dass es eine zweite «Bohème» werden würde, nur «stärker, kühner und umfassender». Die New Yorker Met brachte das Stück 1910...
Ist es eine bittere Ironie der Geschichte, dass Puccinis qualvolles Ende im Grunde ein veristischer Opernstoff ist, ganz ähnlich wie der Komponist ihn mehrfach während seines Lebens einfühlsam, immer aber auch mit der Lust des Voyeurs für die Bühne vertont hatte? Die Torturen der Kehlkopf-Operationen, die Gewissheit der Brüsseler Ärzte zunächst, ihn geheilt zu...
