Präsentiert die Leuchtstäbe!
Die Schwierigkeiten, Beethovens «Fidelio» zu inszenieren, werden von der Güte der Musik und der Berühmtheit des Urhebers regelmäßig weggeschwemmt. Die Schwierigkeiten liegen darin, dass auf der Bühne viel weniger passiert, als uns die Musik verspricht. Und wenn etwas passiert, passiert eigentlich immer noch so gut wie nichts. Schließlich geht alles gut aus – so gut, dass es auch wieder nicht zu fassen ist. Außer durch die Musik selbstverständlich.
Was aber dazu zeigen? Im Interimsquartier der Theaterfabrik Blaue Halle des Würzburger Mainfrankentheaters versucht es der kommissarische Intendant Georg Rootering mit einer Feier bürgerlicher Selbstermächtigung. Der stark beschäftigte Chor hantiert zu diesem Zweck mit Leuchtstäben, ein etwas umständliches Prozedere. Die Leuchtstäbe werden verteilt, eingesammelt, drapiert und wieder verteilt, einerseits ritualhaft, andererseits läppisch. Allmählich bilden sich aus den gemeinsam so oder so gehaltenen Stäben Buchstaben und Begriffe: ein allgemeines «Human», ein topaktuelles «No Kings» oder ein historisch wirkendes «Virtú». Zivile Devisen verschiedener Zeiten.
Szenisch ist das einiger Aufwand für etwas, das man auch einen Allgemeinplatz ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Judith von Sternburg
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