Die reine Poesie
Drei Schwestern: Undine, Rusalka, Melusine. Sämtlich entstammen sie der Märchenwelt und gelangen, um ihr Glück zu finden, zu den Menschen; sämtlich scheitern sie an dem, was Menschsein ausmacht. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen von der Liebe, vom Leben und davon, was Natur bedeutet. Das erkannte auch Yvan Goll, als er Anfang der 1920er-Jahre den mittelalterlichen Stoff in eine zeitkritische Parabel verwandelte. Anders aber als in den Zauberopern von E. T. A.
Hoffmann und Dvořák ist die Titelfigur seines Theaterstücks keine Nymphe, sondern eine fast normale junge Frau, die mit ihrem Wesen alle bezaubert und schließlich doch zugrunde geht. Melusine stirbt. Und mit ihr die Natur, die sie glaubte, beschützen zu können.
Im Bockenheimer Depot in Frankfurt liegt sie am Ende, vereint mit dem Grafen von Lusignan, auf einem kleinen Podest – Symbol für jenes Schloss, das er erbauen ließ, um an ihrer Seite zu sein, dafür aber –die Nähe zu Tschechows «Kirschgarten» ist evident – den gesamten Wald abholzen ließ. Jener flache weiße Ring, der den ganzen Abend hindurch damoklesschwertgleich in der Luft schwebte, hat sich auf Christoph Fischers sterile Rundbühne herniedergesenkt, aber mit ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Jürgen Otten
Antonio Caldara gilt schon lange nicht mehr als jener barocke Kleinmeister, als den man ihn lange Zeit klassifiziert hatte. Für seine Zeitgenossen war er einer der bedeu -tendsten Komponisten überhaupt, seine Berufung an den Wiener Kaiserhof Karls VI., an dem er von 1716 bis zu seinem Tod 1736 wirkte, und die enorme Verbreitung seiner Musik in ganz Europa...
Es ist eine pro domo-Publikation, herausgegeben von zwei Mit -arbeitern des Intendanten Dietmar Schwarz. Dieser verabschiedet sich nach 13 Jahren und bekommt bestätigt, was er am liebsten hört: «Tatsächlich haben Sie in 13 Jahren so viele Opern und Neukompositionen in Auftrag gegeben wie kein anderes Haus in Europa.» Darauf Schwarz: «Wenn das so stimmt, dann trifft...
Den Begriff kennen wir aus der Philosophie des 17. Jahrhunderts. Anno 1649 verfasste René Descartes seinen legendären Tractatus logicus «Les Passions de l’âme» (Die Leidenschaften der Seele) und legte damit ein Traktat vor, das, wiewohl nur subkutan, erhebliche Wirkung vor allem auf jene Kunstform ausübte, die sich a priori glänzend eignete für diesen prekären...
