Die Geister, die ich rief

Roberta Mameli entdeckt Arien aus vergessenen «Hamlet»Opern des italienischen Barock

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Viel sagt der Geist des getöteten Königs nicht in Shakespeares «Hamlet». In drei Szenen tritt Hamlets Vater, der zuvor von seinem Bruder Claudius heimtückisch ermordet wurde, auf, nur in zweien davon erklingt seine Stimme. Und doch ist kaum eine Gestalt – sehen wir einmal von Banquos Wiedergänger in «Macbeth» ab – derart beunruhigend und binnen Sekunden imstande, die Welt aus den Fugen zu kippen wie diese.

Woran es liegen könnte, hat Stephen Greenblatt, der große Shakespeare-Forscher, in seiner fulminanten Studie «Hamlet im Fegefeuer» herausgearbeitet: Der «Geist» kann, mehr als Phänomen, denn als reale Theaterfigur, aus drei grundsätzlichen Perspektiven angeschaut werden: Einmal ist er Gestalt falscher Mutmaßungen, einmal Gestalt historischer Albträume, ein drittes Mal Gestalt psychischer Erregung. Wie bei Kants berühmten «drei» Fragen gibt es darüber hinaus eine vierte Perspektive. Darin erscheint der Geist als Gestalt des Theaters. Und als solcher tritt er uns auch entgegen in dem Album «The Ghosts of Hamlet». Roberta Mameli und das von Franck-Emmanuel Comte dirigierte Barockensemble Le Concert de l’Hostel Dieu versammeln darauf «lost arias» aus diversen (italienischen) ...

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Opernwelt August 2025
Rubrik: Medien, Seite 36
von Jürgen Otten

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