Manchmal leuchten die Sterne eben doch
Das Geständnis ist kurz. Kaum zwei Minuten dauert die schwärmerische B-Dur-Arie «Donna non vidi mai simile a questa!», in der Des Grieux mit lakonischen Worten erklärt, dass er noch nie eine solche Frau gesehen habe – und dass er sich ohne Umschweife heillos in sie verliebt habe: «Io t’amo.» Ihre Stimme ist es zuallererst, die ihn im Innersten berührt, dabei hatte sie ihm doch nur ganz schlicht ihren Namen genannt: «Manon Lescaut mi chiamo.
» Von ihrer Anmut, ihrem unschuldig sanften Duft der Verführung, ja, ihrer Schönheit, singt er nun, ohne selbst noch die Begriffe dafür zu finden, aber mit der staunenden Wiederholung der dann immer wieder leit -motivisch auftauchenden Namensnennung. Manon verzaubert Des Grieux. Und mehr ahnungsvoll als vom tödlichen Risiko dieser Leidenschaft wissend, schwingt er sich con slancio auf ein ekstatisches hohes B auf, nachdem er zuvor dolcissimo é pianissimo darum gefleht hatte, das sussurro gentil der Geliebten, ihr sanftes Säuseln, möge niemals aufhören.
In magischen Momenten wie diesen, die nur die Oper kennt, verdichtet sich beim Frühlingsfestival der Opéra National de Lyon, was als Motto alle drei Produktionen überwölbt: «Parier sur la beauté.» ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Peter Krause
Drei Notenpulte stehen vor dem Eingang in den Zuschauerraum des Allee Theaters. Noch sind die Flügeltüren in den Saal verschlossen. Kaum eingetreten in das Foyer von Hamburgs kleinstem Opernhaus sind wir dennoch gleich mittendrin im munteren Geschehen. Und unversehens spielen wir mit. Es braucht ein paar inspirierende Irritationsmomente, um das Experiment in diesem...
Leise rieselt der Schwan. Natürlich nicht der ganze, das wäre doch ein bisschen zu viel des Gefieders. Um das mit satten Klängen und bass erstaunten Ausrufen beschworene «Wunder» in ein triftiges Bild zu fassen, genügen einzelne Federn des sagenumwobenen Tiers, die nun von der Decke des Festspielhauses in Baden-Baden sanft in den Saal hinabschweben, derweil der...
Herr Heide, dürfen wir uns das Verhältnis zwischen einer Sängerin oder einem Sänger und einem Pianisten als ein erotisches vorstellen?
Das dürfen Sie, allerdings gefielen mir da auch Beschreibungen wie «innig», «freundschaftlich» oder «symbiotisch». Aber jetzt, wo Sie fragen, kommt mir sofort eine Sentenz von Christa Ludwig in den Sinn, die im hohen Alter...
