Die Musik spielt im Graben
Mit ehrgeizigen Zielen hat Riccardo Chailly 2015 sein neues Amt als Musikdirektor an der Mailänder Scala angetreten: Er will der italienischen Oper im Allgemeinen und Giacomo Puccini im Besonderen wieder mehr Geltung verschaffen – sicherlich ein kluger Schachzug, um die Scala stärker gegenüber den anderen großen europäischen Opernhäusern zu profilieren und zugleich aus der reichen Tradition des Hauses zu schöpfen.
Konkret anvisiert ist eine Aufführung sämtlicher Puccini-Opern – einschließlich der Frühwerke «Edgar» und «Le Villi» – bis 2022; ein wichtiger Aspekt sind dabei für den Dirigenten die kritischen Editionen, welche die Opern erstmals ohne die üblichen Retouchen und Striche präsentieren sollen.
Davon profitiert auch «La fanciulla del West», die nun nach 20 Jahren erstmals wieder in Mailand auf dem Programm steht. Chailly hat nicht nur Toscaninis Orchester-Retouchen (vor allem Verdopplungen der Bläser) für die Uraufführung von 1910 an der Met rückgängig gemacht, er hat auch 134 Takte reaktiviert, die in den gedruckten Partituren sonst nicht auftauchen. Das ergibt kein wirklich neues Bild der «Fanciulla», ergänzt die kleinteilige Partitur aber um einige aparte Facetten, wie ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Michael Horst
Für Musik vor 1800 ist «historisch informierte» Aufführungspraxis längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Mozart-Rezitative vom Konzertflügel begleitet, Händel-Streicher mit sattem Dauer-Vibrato, Bach-Cembalokonzerte auf dem Steinway: undenkbar.
Dabei scheinen der Annäherung an die Vergangenheit im Detail keine Grenzen gesetzt. Wo die einen auf bestimmten...
Wie sagt man so schön? Gebranntes Kind scheut das Feuer. Für mich steht demnächst eine Produktion in einem Opernhaus an, in dem ich vor ungefähr 20 Jahren mal so richtig versengt wurde.
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Giuseppe Verdi, nach dem «Falstaff» als größter lebender Komponist angesprochen, soll darauf geantwortet haben: «Lassen Sie den großen Komponisten beiseite, ich bin ein Theatermann!» Als Carlo Maria Giulini und Claudio Abbado, zwei der profiliertesten Verdi-Dirigenten ihrer Generation, «Rigoletto» (1979) respektive «Un ballo in maschera» (1980) für die Deutsche...
