Die Kunst kommt am Abend
Das passiert einfach
Matthias Spenke
Ich bin eher ein sesshafter Typ, ich wollte nicht als Solist von Stadt zu Stadt reisen. Also habe ich direkt nach dem Studium an der Komischen Oper vorgesungen, und es hat sofort geklappt. Ich hatte mir schon vorher einige Inszenierungen an der Komischen Oper angesehen und wusste, dass mir das Spaß machen würde. Hier herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Chor, Orchester und Solisten, wir arbeiten alle an dem gemeinsamen Produkt. Dabei ist der Dirigent des Abends sehr wichtig.
Wir haben auch schon Dirigenten gehabt, die einfach nicht an der Bühne interessiert waren. Es gab einige Vordirigate für die Kapellmeisterstelle, und am Anfang des zweiten Akts von «La Bohème» merkt man auch im Chor sofort, ob der was kann oder ob das auseinanderfliegt. Kirill Petrenko hat immer alles vorbildlich klar gezeigt, da konnten wir wirklich jedes Detail ablesen. Wir sind auch darstellerisch sehr gefragt, da kann man vieles solistisch machen. In größeren Chören steht man bloß in der mittleren Reihe und singt, das finde ich nicht so toll. Die Gefahren sind dadurch allerdings auch größer. Im Mai bin ich in einer Aufführung des «Barbier von Sevilla» aus der ersten ...
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Dass einer über Musik schreibt und doch das Ganze der Gesellschaft im Auge behält, ja, dass es ihm darum zu tun ist, auch in der Musik die Gesellschaft, ihre Strukturen und Probleme zu identifizieren und die abstrakteste der Künste dadurch an die Konkretheit des Lebens zurückzubinden, das eine im anderen zu finden, ohne es auf dieses zu reduzieren – diese Fähigkeit...
Herr Herheim, in Ihren Inszenierungen thematisieren Sie gern die Rezeptionsgeschichte der Werke. Wäre es da nicht konsequent, wenn auch der Regisseur Herheim selbst als letztes Glied in dieser Kette auf der Bühne auftauchen würde?
Nun, der Regisseur Herheim ist sich des etymologischen Ursprungs seines Berufes bewusst: Das lateinische «regere» bedeutet so viel wie...
Kaum eine Trouvaille aus dem Fundus vergessener Bühnenwerke ist im deutschsprachigen Feuilleton so harsch abgekanzelt worden wie Alberto Franchettis um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstandene (fünfte) Oper «Germania». «Ab in die Mottenkiste», forderte die Süddeutsche Zeitung nach der Premiere im Oktober 2006 an der Deutschen Oper Berlin – der ersten...
