Eine Reise
Herr Frey, im vergangenen Jahr, als Sie zum neuen Bremer Generalintendanten bestellt wurden, rauschte es im Blätterwald der Feuilletons: Angeblich wollten Sie die Bremer Oper zu einem Stagione-Theater umfunktionieren. Jetzt, wo Ihr Spielplan für die erste Saison vorliegt, liest sich alles doch etwas anders: Bremen behält ein relativ großes Hausensemble; viele Stücke werden nicht nur anderthalb Monate, sondern zum Teil wesentlich länger zu sehen sein; die Monatsspielpläne bringen bis zu fünf verschiedene Opernproduktionen im Wechsel.
Also eigentlich alles wie bisher?
Da muss ich ein bisschen weiter ausholen. Als ich Ende März 2006 engagiert wurde, war das Theater von der Insolvenz bedroht, und der Senator hatte ein Gutachten von Price-Waterhouse anfertigen lassen, das sehr umstritten war in der Theaterlandschaft. In diesem Zusammenhang hieß es, dass man über neue Strukturen nachdenken müsse. Dieses Thema liegt mir auch am Herzen, weil ich nicht glaube, dass es mit dem Repertoiretheater und seinen öffentlichen Subventionen in den jetzigen Strukturen für die nächsten zwanzig Jahre so uneingeschränkt weitergehen kann. Das war dann zunächst auch der Ausgangspunkt der Gespräche und ...
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Im Herbst 1822 besuchte Gioacchino Rossini, der eben an der Wiener Oper einen nicht da gewesenen Triumph gefeiert hatte, den von ihm seit Langem bewunderten Beethoven. Bei diesem einzigen Treffen der beiden einflussreichsten Komponisten ihrer Zeit gab Beethoven dem italienischen Maestro den später oft ihm nachgesprochenen Rat: «Ihr seid der Autor des ‹Barbier von...
Ich wollte keine Musik schreiben, die man mehrere Seiten lang erklären muss». Solche Entschiedenheit, geäußert kurz vor der Münchner Uraufführung von «Alice in Wonderland», sagt viel über Unsuk Chins Stellung, ihr Selbstgefühl in der Musiklandschaft der Gegenwart – in der Mitte zwischen den eigenen Wurzeln und vielfältigen westlichen Erkundungen und Erfahrungen,...
Schluss jetzt, sagen die beiden leicht zerknitterten Herren auf dem Podium. «Es bleibt dabei, dies wird meine letzte Oper sein», meint der Ältere (82), der Jüngere (63) schließt sich an: «Das tue ich nicht mehr!» Und lächeln einander so verständnisinnig an, als könnten sie wirklich zurückblicken auf ein volles, rundes, von gemeinsamen Premieren gepflastertes...
