Die Königsmacher

Das gute, alte Modell der Findungskommission, die über Intendantenposten befindet, wird zusehends variiert. Was die Frage aufwirft, ob das auch gut so ist. Eine Recherche

Opernwelt - Logo

Großfamilie, das trifft es nicht ganz, da gibt es zu viele Assoziationen über Opas und Omas, liebe Tanten und böse Onkel. Nennen wir es also Klassentreffen. Weil manchmal der eine nicht kann oder die andere nicht eingeladen wurde. Und weil diese Klasse aus ähnlichen Lebewesen, aus Ermöglichern und Spürhunden, Königsmachern und Königinnenkrönern besteht. Vor allem bei größeren Opernhäusern sitzen gern dieselben Gestalten am Tisch, die Runde trägt gleichwohl einen förmlichen Titel, sie nennt sich  Findungskommission.

Nur zu gern verlassen sich die Rechtsträger der Häuser auf den Vorschlag dieser Experten. Auf (Ex-)Intendanten, Vertreter des Bühnenvereins, manchmal auch auf Journalisten: Deren Expertise braucht dann bloß noch abgenickt zu werden.

Eine praktische Sache ist das – und eine Monokultur, wie zum Beispiel Marcus Carl findet. «Die üblichen Verdächtigen», so ätzt der in Wiesbaden ansässige Künstleragent über das Kommissionswesen. «Die Kamarilla der Flimm- und Mortier-Kreise» habe die Spitzenpositionen in jahrzehntelanger Kontinuität besetzt. Doch diese Praxis ist in jüngster Zeit aufgebrochen worden, was die Szene teilweise in Aufruhr versetzt hat. Weniger, weil man um ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2021
Rubrik: Magazin, Seite 56
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Sirenengesang

Wundersamer, klangreicher, magischer Ort. Ort der puren ästhetischen Überwältigung: Eine «Hotellerie des Signifikanten» nennt der französische Philosoph Roland Barthes jenen Raum, in dem das Subjekt gehört werden kann, mitsamt der Bewegung seines Körpers. Und vor allem mit jener Stimme, die den Hörenden zu verzaubern vermag. Die Stimme, so heißt es in Barthes’...

Anwalt der Randfiguren

In Stendhals «Vie de Rossini» von 1823 steht der Satz «Réfléchir sur les beaux-arts, fait sentir» – Nachdenken über die schönen Künste macht fühlen. Der Gedanke könnte vom Publizisten Uwe Schweikert stammen, von 1971 bis Ende 2003 Lektor des Metzler-Verlags, seit 1992 dort verantwortlich für ein exquisites Musikprogramm, und seit vielen Jahren Mitarbeiter der...

Phasenweise bereichernd

Corona stellt insbesondere musikstudierende Personen vor große Herausforderungen. Ich bin Dirigierstudent im vierten Semester Bachelor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden und Komponist. Vor allem das Dirigierstudium ist von den Einschränkungen betroffen, da eine Abhängigkeit von einem großflächigen Kontakt mit Menschen durch das Orchester...