Ganz aus dem Geist des Gesangs
Vom ersten Einsatz der farbig intonierten Toccata zu Beginn geht von dieser Neuaufnahme ein Sog aus – ein Sog, der bis zur abschließenden Moresca anhält. An Einspielungen von Monteverdis «L’Orfeo» herrscht ja wahrlich kein Mangel. Doch mit dieser hat sich der in der Alte-Musik-Szene renommierte Tenor Emiliano Gonzalez Toro einen lange gehegten Wunsch erfüllt, und das macht sie konkurrenzlos. Denn er singt nicht nur die Titelpartie, sondern ist als Dirigent für die gesamte Produktion verantwortlich.
Eigens dafür hat Gonzalez Toro 2018 das (im «Orfeo» glänzend agierende) Instrumentalensemble I Gemelli gegründet und Monteverdis Favola in musica zusammen mit der Regisseurin Mathilde Etienne, die hier auch die Proserpina singt, 2019 zunächst in Paris und Toulouse auf die Bühne gebracht und dann im Januar 2020 unter Studiobedingungen aufgenommen.
Es ist ein «Orfeo» ganz aus dem Geist des Gesangs, des recitar cantando, des sprechenden Singens oder «musikalischen Redens», wie es ein Zeitgenosse am Tag vor der Uraufführung in Mantua umschrieb. Es sind die dichterischen Worte selbst, die im neuen stile recitativo der Musik die Regel vorgeben. Die reich besetzte, fantasievoll spielende ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Uwe Schweikert
Wundersamer, klangreicher, magischer Ort. Ort der puren ästhetischen Überwältigung: Eine «Hotellerie des Signifikanten» nennt der französische Philosoph Roland Barthes jenen Raum, in dem das Subjekt gehört werden kann, mitsamt der Bewegung seines Körpers. Und vor allem mit jener Stimme, die den Hörenden zu verzaubern vermag. Die Stimme, so heißt es in Barthes’...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss (11. 2.) als Präsenzvorstellung geplanten oder als Stream angekündigten Premieren und Aufführungen des Monats März 2021. Weitere Informationen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML =...
Oper und Corona. Man könnte inzwischen genauso gut von Gott und Satan sprechen. Die Zuschauerräume sind leer. Genau das, wofür wir innigst kämpfen sollen, die Oper, geht nicht mehr. Studieren, Opernregisseur werden, eine Karriere aufbauen, den Druck des Studiums aushalten, uns im (stark strukturierten) Establishment des (stark subventionierten) Opern-Business...
