Herzschmerz im Paradies
Er wollte eigentlich nur eine Hausaufgabe für die Sommerferien von seinem Kompositionsprofessor erbitten, doch dann überreicht Jules Massenet seinem gerade einmal 17-jährigen Lieblingsstudenten Reynaldo Hahn gleich ein veritables Opernlibretto, die Bühnenfassung eines Erfolgsromans von Pierre Loti. Drei Jahre quält sich der angehende Komponist mit der Arbeit an der Partitur, doch Massenet zeigt sich so zufrieden mit dem Ergebnis, dass er «L’île du rêve» sogar an die Opéra Comique vermittelt. 1898 findet die Uraufführung statt, neunmal wird der Einakter des Debütanten gespielt.
Wenn die Stiftung Palazzetto Bru Zane jetzt das Jugendwerk als 26. Veröffentlichung in seiner noblen Buch-mit-CD-Reihe zur «Opéra français» vorstellt, kann man das Werk eines Hochbegabten entdecken. Dessen Stärken allerdings definitiv nicht im Musiktheatralischen liegen. Im Briefwechsel mit seinem Freund Édouard Risler erklärt Hahn immer wieder, wie schwer es ihm falle, die gestellte Aufgabe zu bewältigen. «Ich werde mich jetzt zwei Wochen davon ausruhen», kündigt er im August 1891 an, «indem ich jede Menge Lieder und Klavierstücke schreibe». Diese kleinen Formen sollten dann tatsächlich zur Spezialität des ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Frederik Hanssen
Im April 2007 fand, schon lange überfällig, in Salzburg ein internationaler Strawinsky-Kongress statt, der einen doch leicht konsterniert zurückließ. Vergegenwärtigte er doch noch einmal die ein halbes Jahrhundert zurückliegende Kontroverse über Theodor W. Adornos «Philosophie der neuen Musik», samt ihrer Suche nach der «wahren» authentischen Moderne im Lichte der...
Auf der einen Seite Virologen, Politiker und große Teile der Bevölkerung, die zur Bekämpfung der Pandemie radikale Kontaktbeschränkungen fordern, durchsetzen, akzeptieren. Auf der anderen Seite diejenigen, die froh sind über jede Sondergenehmigung des Senats für die künstlerische Ausbildung, über jeden irgend möglichen Gestaltungsspielraum. Unsere Ausbildung lebt...
Als «hübsche Liederchen», die ihn hin und wieder zu einem Besuch der Dresdner Oper verlockten, soll der Leipziger Thomaskantor Bach die Arien seines Kollegen Johann Adolf Hasse bezeichnet haben. Diese Anekdote kommt einem in den Sinn, wenn man «Enea in Caonia» hört. In der Tat ist es vor allem die vokale Eleganz des galanten dolce stil novo, die diese 1727 aus...
