Wünsch Dir was
Ein Interruptus, den sich Puccini anders vorgestellt hat. Statt Tosca das Messer zücken zu lassen, um Scarpias Fast-Vergewaltigung zu beenden, schneit Freddy mit einem Song auf den Lippen herein. Und das auch noch aus einem anderen Stück, der Muntermacher stammt aus «My Fair Lady». Ein paarmal passiert so etwas an den beiden Abenden. Eben noch umschmeichelt Ortrud die ahnungslose Elsa, schon wiegt sich dieselbe Sängerin im Trinklied Orsinis aus «Lucrezia Borgia», während später Professor Higgins Lohengrins Gralserzählung charmant ins Abseits trällert.
Als ob jemand alle guten und schlechten Geister aus Oper und Musical beschwört hat, die sich nun begegnen, umkreisen, beeinflussen, bedingen, so spielt sich «Schwanenflug», eine «Oper von grandioser Ungleichheit» im Saal des Münchner Akademischen Gesangvereins ab.
Eine Schlagerparade, die sich – begleitet nur vom Klavier – zum wunderlich wundersamen Pasticcio fügt. Es ist die Frucht eines Weiterbildungsprogramms, das vom «Werkmünchen» verantwortet wird. Dabei geht es nicht allein um Nachwuchspflege. Das Projekt ist auch Anlaufstelle für Sänger, die vor dem Umbruch stehen – sei es wegen eines Fachwechsels, sei es wegen beruflicher ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Markus Thiel
Nachdem der fragwürdige Staatsrechtler Carl Schmitt im Alter seiner Paranoia verfallen war, äußerte er zu einem Bekannten, er müsse seinen berühmten Satz «Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet», den er nach dem Ersten Weltkrieg geschrieben habe, korrigieren. Nun sage er stattdessen: «Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt.»
Das klingt...
Seine wichtigste Quelle ist die Leere. Die Absenz aller Gedankenschwere. Den Kopf müsse er frei haben, um anfangen zu können. Um empfänglich zu sein für Ideen, Perspektiven, Erfahrungen, die sonst unbemerkt blieben. Für inwendige Energien von Menschen, Dingen, Werken, die sich nicht von selbst erschließen. Für die Essenz jener verborgenen existenziellen Kräfte, die...
Gaspare Spontinis «Fernand Cortez» gilt als erster Schritt auf dem Weg zur Grand Opéra. Mit seiner Kunst, Massen zu bewegen und dramatische Höhepunkte zu statischen Tableaus einzufrieren, hat der Italiener sich gleich drei Herrschern angedient, nicht ohne die jeweiligen politischen Konstellationen systemstabilisierend gleich ästhetisch mitzureflektieren: 1809...
