Wünsch Dir was
Ein Interruptus, den sich Puccini anders vorgestellt hat. Statt Tosca das Messer zücken zu lassen, um Scarpias Fast-Vergewaltigung zu beenden, schneit Freddy mit einem Song auf den Lippen herein. Und das auch noch aus einem anderen Stück, der Muntermacher stammt aus «My Fair Lady». Ein paarmal passiert so etwas an den beiden Abenden. Eben noch umschmeichelt Ortrud die ahnungslose Elsa, schon wiegt sich dieselbe Sängerin im Trinklied Orsinis aus «Lucrezia Borgia», während später Professor Higgins Lohengrins Gralserzählung charmant ins Abseits trällert.
Als ob jemand alle guten und schlechten Geister aus Oper und Musical beschwört hat, die sich nun begegnen, umkreisen, beeinflussen, bedingen, so spielt sich «Schwanenflug», eine «Oper von grandioser Ungleichheit» im Saal des Münchner Akademischen Gesangvereins ab.
Eine Schlagerparade, die sich – begleitet nur vom Klavier – zum wunderlich wundersamen Pasticcio fügt. Es ist die Frucht eines Weiterbildungsprogramms, das vom «Werkmünchen» verantwortet wird. Dabei geht es nicht allein um Nachwuchspflege. Das Projekt ist auch Anlaufstelle für Sänger, die vor dem Umbruch stehen – sei es wegen eines Fachwechsels, sei es wegen beruflicher ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Markus Thiel
Ganz allein sitzt er da. Einen Tisch, ein Glas Wasser, ein paar fliegende Notizen, den Laptop (sein elektronisches Archiv), eine Leinwand über dem Kopf – mehr braucht Alexander Kluge nicht, um in dem noch abgedunkelten «Elektra»-Raum ein komplettes Zentennium in Schwingung zu versetzen. Ach was, Millennien durchmisst er binnen einer guten Stunde – und die kosmische...
Ein Horn begleitet die Titelheldin auch hier. Doch Klarinette und Fagott gesellen sich dazu, eine Zwiesprache, die weniger das Leid einer verklärten, vergötterten Heroine zum Ausdruck bringt als einer verletzten, zagenden Frau. Eine Nummer kleiner, das trifft es nicht ganz bei Ferdinando Paër und seiner 1804 in Dresden uraufgeführten «Leonora». Es ist, wenn man so...
Nachdem der fragwürdige Staatsrechtler Carl Schmitt im Alter seiner Paranoia verfallen war, äußerte er zu einem Bekannten, er müsse seinen berühmten Satz «Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet», den er nach dem Ersten Weltkrieg geschrieben habe, korrigieren. Nun sage er stattdessen: «Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt.»
Das klingt...
