Wünsch Dir was

Fortbildung der anderen Art: Wie die Initiative «Werkmünchen» Menschen unter die Arme greift, die auf der Bühne einen Neustart suchen

Opernwelt - Logo

Ein Interruptus, den sich Puccini anders vorgestellt hat. Statt Tosca das Messer zücken zu lassen, um Scarpias Fast-Vergewaltigung zu beenden, schneit Freddy mit einem Song auf den Lippen herein. Und das auch noch aus einem anderen Stück, der Muntermacher stammt aus «My Fair Lady». Ein paarmal passiert so etwas an den beiden Abenden. Eben noch umschmeichelt Ortrud die ahnungslose Elsa, schon wiegt sich dieselbe Sängerin im Trinklied Orsinis aus «Lucrezia Borgia», während später Professor Higgins Lohengrins Gralserzählung charmant ins Abseits trällert.

Als ob jemand alle guten und schlechten Geister aus Oper und Musical beschwört hat, die sich nun begegnen, umkreisen, beeinflussen, bedingen, so spielt sich «Schwanenflug», eine «Oper von grandioser Ungleichheit» im Saal des Münchner Akademischen Gesangvereins ab.

Eine Schlagerparade, die sich – begleitet nur vom Klavier – zum wunderlich wundersamen Pasticcio fügt. Es ist die Frucht eines Weiterbildungsprogramms, das vom «Werkmünchen» verantwortet wird. Dabei geht es nicht allein um Nachwuchspflege. Das Projekt ist auch Anlaufstelle für Sänger, die vor dem Umbruch stehen – sei es wegen eines Fachwechsels, sei es wegen beruflicher ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Wahnsinn mit Methode

Musikalischen Bildern der Verrücktheit und des Wahnsinns hat die französische Mezzosopranistin Stéphanie d’Oustrac ihr neues Album gewidmet. Das Außer-sich-Sein und die Liebe liegen in der Kunst wie im Leben nahe beieinander. In einer von La Fontaines Fabeln wird die personifizierte Tollheit, die ihrem Pendant, l’amour, im Streit das Augenlicht geraubt hat, von den...

Wagner zum Lesen

«Parsifal» ist Wagners letztes Musikdrama, dem Untertitel nach ein «Bühnenweihfestspiel». Das ominöse Wort lässt sich in heutige Sprache übertragen: Es bezeichnet die spezifische Einheit von Aufführung, Spielstätte und Handlung, auf die es Wagner ankam, und die er auf vielfältige Weise mit Ritualen durchsetzte. Zwischen «Parsifal» und den Bayreuther Festspielen...

Vorreiter des Wandels

Zum Auftakt möchte ich den Soziologen Bruno Latour zitieren mit einem Statement, das er im März 2020 veröffentlicht hatte: «Wir müssen gerade jetzt dafür kämpfen, dass die wirtschaftliche Erholung nach der Krise das alte Klimaregime nicht wiederherstellt, gegen das wir bisher vergeblich gekämpft haben. Die Gesundheitskrise ist in etwas eingebettet, das keine Krise...