Die im Dunkeln sieht man nicht
Neben der nicht mehr zu diskutierenden Ex-Routine des Blackfacings beinhaltet Verdis «Otello» einen Mordfall, dem die Wendung «Verbrechen aus Leidenschaft» noch immer etwas Beschwichtigendes mitgeben kann. Der Begriff «Femizid» hingegen stellt einen anderen Zusammenhang her: Der Titelheld wird zu einem gewalttätigen Mann unter zahllosen anderen gewalttätigen Männern. Jeder hat seine Geschichte, jede dieser Geschichten läuft darauf hinaus, dass am Ende eine Frau getötet wird.
Hier schaltet sich am Staatstheater Mainz die südafrikanische Regisseurin Victoria Stevens in die Handlung: Wenn es für Otello und Desdemona jemals eine glückliche Liebe gegeben haben sollte, so muss das weit zurückliegen. Zum Liebesduett zwischen Tür und Angel umklammert Desdemona bereits einen Koffer und bekommt dann doch nicht den Absprung. Man posiert noch Seite an Seite für öffentliche Auftritte (auch mit den gemeinsamen Kindern), ansonsten ist alles Kälte und Distanz. Auf Videos sind eine junge Schwarze und Kindersoldaten zu sehen. Auf der Bühne spiegelt sich das lediglich in der Präsenz von Handfeuerwaffen und dann durch diese Schlusswendung: Nachdem Otello Desdemona getötet hat (in einem B-Gangsterfilm ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Judith von Sternburg
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