Die Hoffnung stirbt zuletzt
Die neue Mitte. Eine schöne Werbeformel, mit der die Kommune Nordhausen hofft, ihr graues Image ein wenig aufzuhellen. Geografisch trifft sie fraglos zu: Während der vierzig Teilungsjahre an die Peripherie der verblichenen DDR gedrängt, liegt die Stadt nun wieder im Herzen Deutschlands. Wirtschaftlich und demografisch indes kann von einem Platz in solider Mittellage kaum die Rede sein.
Die von den DDR-Planern ausgebaute Schwerindustrie existiert nicht mehr, die ehemalige VEB-Zigarettenproduktion wurde stillgelegt, auch in der Holz-, Textil- und Lebensmittelbranche mussten viele Traditionsbetriebe schließen. Die amtliche Arbeitslosenquote hat sich bei rund zwanzig Prozent eingependelt, viele junge Menschen wandern ab. Vierundvierzigtausend Einwohner leben in der Stadt am Südrand des Harzes, Tendenz rückläufig.
Vorbei scheinen die Tage, als eine stolze Bürgerschaft mit Geist und Geld auch in der Provinz für Institute kultureller Bildung sorgte, in denen sie nicht nur repräsentative Symbole ihrer Prosperität sah, sondern auch Foren der sozialen und ästhetischen Verständigung. Vor allem das Theater zeugt von jenem gründerzeitlichen Engagement zugunsten der communitas: ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Fall der traditionellen chinesischen Oper (xiqu) lässt sich von einem Gesamtkunstwerk der performativen Künste sprechen. Schamanistische Praktiken, Tänze, Jahrtausende alte Ringkämpfe und Hochstemmwettbewerbe, Schwertschlucker und Zauberer aus dem Römischen Reich, die über die Seidenstraße ins «Reich der Mitte» gereist waren, oder Bambusstamm-Equilibristen aus...
Im vergangenen September, angesichts von Peter Konwitschnys szenischer Interpretation des «Eugen Onegin» in Bratislava, hatte ein aus Wien angereister Zuschauer neben mir noch gegreint: «Jetzt kann man hier auch nicht mehr hinfahren.» Sollte der Mann dennoch einen weiteren Versuch gewagt haben, etwa zur «Turandot», dürfte Joszef Bednáriks Inszenierung ihm ein...
Die Expansion des DVD-Marktes hat bei den großen Opernhäusern (und nicht nur bei den großen) einen oftmals wenig selbstkritischen Veröffentlichungseifer freigesetzt. Da wird manches für die Ewigkeit konserviert, was den Ruhm des Instituts nicht mehrt, vielmehr dazu angetan ist, gewachsene Legenden zu zerstören.
Drastisches Beispiel: Die Mailänder Scala und ihre...
