Opernplunder und Musiktheater

Inszenierungen aus Venedig, Mailand, Florenz, Wien und Paris auf DVD

Die Expansion des DVD-Marktes hat bei den großen Opernhäusern (und nicht nur bei den großen) einen oftmals wenig selbstkritischen Veröffentlichungseifer freigesetzt. Da wird manches für die Ewigkeit konserviert, was den Ruhm des Instituts nicht mehrt, vielmehr dazu angetan ist, gewachsene Legenden zu zerstören.
Drastisches Beispiel: Die Mailänder Scala und ihre Inaugurazione 2003 mit Rossinis «Moïse et Pharaon». Das Filmdokument bietet hier nicht mehr als einen weiteren ­Beleg für die Prima-la-musica-Diktatur in der viel zu langen Ära Riccardo Mutis.

Auch wenn diese Oper Züge eines szenischen Orato­riums trägt, eine gewisse Statuarik also vorgegeben ist, muss man die Arrangements von Luca Ronconi als einen Triumph der Einfallslosigkeit ansehen (was ebenso für die zwanzigminütige Balletteinlage im dritten Akt gilt). Pappmaché-Figuren wandeln durch die Szenerie Gianni Quarantas, die Wüste und Rotes Meer in den einheit­lichen Bühnenrahmen eines mit Barock­elementen verzierten gotischen Domes zwängt. Diese Verschachtelung soll offensichtlich eine Ana­logie zur Judenverfolgung durch die Ägypter/Holocaust durch die Chris­ten suggerieren.
Muti lässt in Mailand nicht die italienische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: DVDs, Seite 52
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf Nachhaltigkeit angelegt

Mitte März: Spätabends schleicht eine Gruppe junger Menschen durch die ­Luther-Stadt Wittenberg, bepackt mit Beuteln und Taschen, und lässt in jeden verfügbaren Brief­kas­ten ein Stück Papier hinabtauchen. Wer sich am nächsten Morgen dieses Stück Papier zu Gemüte führte, dürfte einigermaßen überrascht gewesen sein. Nicht etwa ein Werbezettel, sondern ein Flyer...

Man spielt nicht mit dem Glück

Eine thematisch komplexe, auch komplizierte Geschichte ist es schon, die Alexander Zemlinsky im «König Kandaules» nach André Gides Drama «Le Roi Candaule» (1899) erzählt: Der König, vom Drang getrieben, sein Glück mitzuteilen, ja es mit anderen zu teilen, überlässt schließlich sogar seine geheimnisvoll-schöne Frau dem Freund für eine Liebesnacht. Bei Gide sagt er...

Reisen ins Innere

Einmal im Kreis laufen kann eine Reise zu einem fernen Ort bedeuten, ein kurzes Kopfnicken das Ende eines langen Schlafes anzeigen. Das chinesische Theater hat Bewegungen und Gebärden wie diese über Generationen entwickelt und bewahrt. Bertolt Brecht hat es bewundert. Oder präziser: Weniger die Techniken der Beibehaltung als jene der Veränderung des Ausdruckskanons...