Gefährdete Gattung
Im Fall der traditionellen chinesischen Oper (xiqu) lässt sich von einem Gesamtkunstwerk der performativen Künste sprechen. Schamanistische Praktiken, Tänze, Jahrtausende alte Ringkämpfe und Hochstemmwettbewerbe, Schwertschlucker und Zauberer aus dem Römischen Reich, die über die Seidenstraße ins «Reich der Mitte» gereist waren, oder Bambusstamm-Equilibristen aus burmesischen Regenwäldern bildeten die Attraktionen der «Hunderterleiaufführungen» vor zweitausend Jahren.
Entscheidende Grundlagen für das Theater wurden auch in den Vergnügungsvierteln gelegt, wo Witzeerzähler auf Puppenspieler, Musiker, Schaukämpfer, Akrobaten trafen und ihre Künste vermischten. Aus anfangs einfachen Formen entstanden reichhaltige Programme. Als die Mongolen im 13. Jahrhundert China eroberten und die Yuan-Dynastie die Macht übernahm, wurden fast alle Beamten entlassen; viele fanden ihren neuen Brotberuf im Theater und führten dieses zu einer literarischen Blütezeit. Über Jahrhunderte zogen Truppen von Darstellern durch das Land, hinterließen überall Spuren, nahmen alles auf, was ihnen für die Bühne brauchbar erschien: Geschichten, Musizierweisen, Darstellungsformen, Kostüme. So wurden die Hafenstädte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was heute Anna Netrebko ist, war in den sechziger und siebziger Jahren Anna Moffo. Sie verfügte über Beauté und Aura eines Hollywood-Stars. Nur dass ihre optischen Reize dem Niveau einer Gesangskunst entsprachen, das Anna Netrebko bislang nicht erreicht. Anna Moffo bestach mit einer lyrischen, vollen und strahlenden Sopranstimme sowie vollendeter Koloraturtechnik....
Finstere Romantik: skurril, fantastisch, unerklärlich. Roland Mosers Oper «Avatar» – das Libretto stammt vom Komponisten – basiert auf einer 1856 erstmals veröffentlichten Novelle von Théophile Gautier. Ein Text, wie ihn sich auch E. T. A. Hoffmann hätte ausdenken können. Ein merkwürdiger Doktor, der zu grotesken wissenschaftlichen Versuchen neigt und dadurch den...
Welcher Opernfreund wäre nicht gern bei den Uraufführungen von Verdis «Otello» und «Falstaff» dabei gewesen? Aufnahmen mit Francesco Tamagno, Victor Maurel und Edoardo Garbin geben uns eine Vorstellung davon, wie damals gesungen wurde. Jetzt hat Preiser den ersten Lodovico und den ersten Pistola auf einer CD vereint: die Bassisten Francesco Navarini (1855-1923)...
