Die Hölle Ehe
Der Plan war beinahe genial: eine Opiumhöhle in San Franciscos Chinatown. Der zwielichtige Inhaber Cim-Fen will sich in der Stadt nach oben kämpfen, gerät auf die schiefe Bahn, entführt ein Kind, wird zum Mörder des Nebenbuhlers, muss alles mit dem Leben bezahlen, und mittendrin Jonas Kaufmann. So hatte man sich dies an der Bayerischen Staatsoper eigentlich gedacht – als Koppelung von Ruggero Leoncavallos «Pagliacci» mit der vergessenen Kurzoper «L’Oracolo» von Franco Leoni (1864–1949), endlich einmal nicht mit dem ewigen Opernzwilling, Mascagnis «Cavalleria rusticana».
Der Star in einer ungewohnten Doppelrolle, dazu ein Aufbrechen programmatischer Konvention, das klang verheißungsvoll. Doch es kam anders. Gegeben wurde das übliche Doppel, bei dem Kaufmann am Ende nurmehr den Canio übernahm. Und warum dieser Rückschritt? Wer ins Haus hineinhorcht, registriert vor allem eines: Man ist nicht amüsiert.
100 Luftlinienkilometer weiter südlich war man mutiger, vor allem erfolgreicher: «Pagliacci» ja, sogar vor der Pause. Doch dann riskierte das Tiroler Landestheater Schönbergs Einakter «Von heute auf morgen». Und siehe da: Das Innsbrucker Publikum, das gerade sehr zurückhaltend ge ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Markus Thiel
Iside, schöne, stolze Tochter des Flussgottes Inachos und verlobt mit dem ägyptischen König Osiris, ist, man kann es nicht anders sagen, sauer. Ach, was: Enragiert und fuchsteufelswild ist sie. Also schleudert sie ihre erklecklichen thymotischen Energien heraus wie eine Furie – so furios, dass wohl selbst Jupiter, oberster olympischer Casanova, lieber das Weite...
Dieser Gounod legt die Axt an die Wurzel. «Uns interessierte vor allem die Leere», hieß es schon vor der Premiere, aber Bühnen- und Kostümbildner dürften doch andere Ambitionen gehabt haben als die Regisseurin. Es sei denn, sie arbeiten nicht gern. Viel zu tun gab es jedenfalls nicht für sie. Das Libretto sieht sechs Szenenwechsel vor – hier findet der Fünfakter in...
Anders als Antonio Salieri mit seinem «Cublai, gran kan de’ Tartari» konnte Mozart schon zu Lebzeiten mit der «Zauberflöte» reüssieren – vor allem aber sein Mitstreiter Emanuel Schikaneder, der sich mit den Einspielergebnissen ein neues Theater baute – das «Theater an der Wien». Dass ihm dabei ein Kaufmann mit dem wie von Nestroy erfundenen Familiennamen Zitterbart...
