Die Hochzeit – ein Traum
Einen Zyklus mit Meisterwerken des 20. Jahrhunderts zu starten, ist keine neue Idee. Aber darum wird ja nicht schlechter, was das Badische Staatstheater unter seinem neuen Intendanten Peter Spuhler in Szene setzt. Noch verdienstvoller indes: Den Anfang markiert in Karlsruhe «Romeo und Julia auf dem Dorfe» von Frederick Delius.
Die Väter bekriegen sich. Die Kinder gehen daran zuschanden. Shakespeare? Jein. Da sehr frei nach ihm. Das junge Paar, das sich reinen Herzens zugetan ist, heißt eben nicht Romeo und Julia, sondern Sali und Vrenchen. Die Väter sind auch keine Veroneser Edelleute.
Sie sind Schweizer Bauern, die sich um ein Stück Brachland zerfetzen. Und die Kinder rudern in den gewollten Tod – in dem Kahn, der ihr Brautbett ist. Auf dieser Welt war für sie kein Platz. Wer älter ist und sich an seine Schullektüre erinnert, schaltet sofort: Gottfried Keller, die Sammlung «Die Leute von Seldwyla» und daraus die Novelle, deren Titel auch die Oper trägt.
Die Musik scheint irgendwo zu beginnen und irgendwo zu versiegen: Streicherlangsamkeit, aus der sich die Holzbläser herauslösen. Spätromantischer Klang, eine Prise Impressionismus, ausgesuchte Koloristik, chromatisch gewürzt, sanft ...
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