Die Frage ist: Für wen machen wir das?
Liebe Frau Schmid, liebe Frau Lwowski, lieber Herr Klink, Sie haben die Wahl: Ist das unmögliche Kunstwerk Oper eher eine Quantité négligeable, ein neofeudaler Luxus, eine politisch relevante Kunstform oder vielleicht sogar nur die reine ästhetische Seelenbeglückung?
Nora Schmid: Eine einfache Antwort auf diese Frage kann es nicht geben. Dennoch würde ich spontan beim letzten Punkt einhaken, bei der Seelenbeglückung.
Für mich ist es zwar eher eine Seelenberührung, und dies in der größtmöglichen Vielfalt in puncto Thematik, Interpretation und Ästhetik. Gewiss greifen für manchen auch die beiden erstgenannten Aspekte. Meines Erachtens geht es aber in der Oper darum, sich selbst und seinen Blick auf die Welt besser und aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Was man davon dann in sein Leben und in die Gesellschaft mitnimmt, hat für mich auch eine politische Komponente.
Julia Lwowski: Die Begriffe sind widersprüchlich. Aber ich finde, dass Oper in der Utopie auf jeden Fall ein Politikum sein sollte, wenn es das nicht ohnehin ist; etwas, das im schönsten Fall etwas aufreißt und sichtbar macht, was vielleicht in anderen Kunstformen nicht möglich wäre, weil es eben diese ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Zukunft Oper, Seite 116
von Jürgen Otten
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