Black voices matter
Der afroamerikanische Countertenor Reginald Mobley ist in der Neuen wie in der Alten Welt aufgetreten und hat sich im Barock-Repertoire wie im Crossover einen Namen gemacht. Sein erstes, 2023 erschienenes Soloalbum «Because», das die Brücken vom Jazz zurück zu den Spirituals schlägt, wurde mehrfach preisgekrönt.
Sein zweites Album mit dem Titel «Solitude» ist ebenso ungewöhnlich, denn es gibt neben der süchtig machenden Melancholie eines John Dowland oder Henry Purcell auch den gestern wie heute unterdrückten «Americans of Color» eine Stimme – den «Ausdruck der schwarzen Seele», wie er selbst im Booklet schreibt. Und dies mit einer der schönsten, berückendsten Stimmen, denen man im Counter-Fach überhaupt begegnen kann.
Man muss fast schon bis zu dem unvergesslichen Alfred Deller, ihrem Entdecker, zurückdenken, um vergleichbar beredte Aufnahmen der bekanntesten Dowland- und Purcell-Lieder zu finden. In Purcells Arie «Music for a While» nimmt Mobley wie Deller das neunmalige, mittels Pausen voneinander abgesetzte Wiederholen des Wortes «drop», übrigens mit markant gerolltem «r», in einem Atem, und gibt auf diese Weise dem unablässigen Herunterfallen der Schlangen vom Kopf der ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 33
von Uwe Schweikert
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Nein, es ist nicht der Dichter, der spricht. Es ist der Komponist. Leise, eindrücklich, leicht schnarrend klingt seine Stimme, und was sie sagt, reicht tief, zum Kern (und in die Katakomben) der Condition humaine. György Kurtág rezitiert Gedanken des ungarischen Reformators, Philosophen und Sophokles-Übersetzers Péter Bornemisza, es ist der Prolog zu einer 2017 in...
Kakanien, versunkenes Riesenreich. Wie es war, wie es vielleicht noch sein könnte, wäre es nicht 1918 in den Ruhestand versetzt worden, darüber gibt uns Robert Musil, einer der größten Literaten des 20. Jahrhunderts, äußerst beredtblümerant (und mit dem inhärenten Subjektivismus des phantasiebegabten Schriftstellers) Auskunft: «So oft man in der Fremde an dieses...
