«Die Angst ist immer, dass man ein Stück verraten hat, ohne es zu wollen»
Frau Breth, «Wozzeck» war Ihre erste Opernregie in Berlin. Man kann sich nicht vorstellen, dass Sie deswegen nervös werden. Oder doch?
Stimmt, es ist mir relativ wurscht, wo ich inszeniere. Die Bedingungen müssen gut sein. Mich interessieren das Werk, der Dirigent und die Sänger. Das kann sonstwo sein.
«Wozzeck» ist ein einsames Meisterwerk. Vereinfacht das Ihre Arbeit?
Ich würde nicht sagen, dass «Wozzeck» schwerer ist als «Don Giovanni». Beides ist unerträglich schwierig. Ich habe immer Angst, dass ich dem, was geschrieben steht, nicht gerecht werde.
Leichter Sinn und frohes Schaffen: Das ist beides meist nicht dabei.
Muss man so tun, als ob jedes Werk ein Meisterwerk ist?
Absolut. In dem Moment, in dem man etwas für einfach hält, liegt man schon daneben. Sie müssen natürlich eins wissen: Ich mache keine Auftragsarbeiten. Ich mache nur dann eine Oper, wenn ich meine, damit wirklich etwas anfangen zu können. «Wozzeck» ist meine siebte Opernregie. Ich inszeniere überhaupt höchstens drei Stücke im Jahr. Und selbst da wird es schon gefährlich.
Müssen Sie bei der Oper stärker dosieren?
Ja. Schon dieses Vorbuchungssystem in der Oper ist ein Alptraum. Woher soll ich wissen, ob ich 2016 noch ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 19
von Kai Luehrs-Kaiser
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