Dichtertreffen in Weimar
Als die deutsche Armee im Juni 1940 in Paris einmarschierte, protokollierte Marcel Jouhandeau, sein Leben sei nie so tragisch gewesen wie an jenem Tag. Doch die Einschätzung des schwulen katholischen Romanciers, der 1933 einer Versammlung der kommunistischen Partei beiwohnte und André Gide applaudierte, wandelte sich zusehends. Zur Veröffentlichung der französischen Übersetzung von «Mein Kampf» hatte er bereits 1939 gestanden, dass er sich «unseren deutschen Ex-Feinden tausendmal näher» fühle als jenem «jüdischen Abschaum», der vorgeben würde, französisch zu sein.
Der Dichter zeigte zwar keine Sympathie für Hitler, folgte 1941 aber ohne Umschweife einer Einladung zu einem Dichtertreffen in Weimar, zu dem Goebbels gebeten hatte, um in der Klassikerstadt über die Literatur eines zukünftigen Europa zu diskutieren. So soll -te der Zivilisationsbruch des «Dritten Reichs» in das Licht eines alle verbindenden europäischen Geistes gesetzt werden. Der deutsche Propagandaminister hatte leichtes Spiel. Denn die sieben französischen Literaten, die das Treffen (neben Gästen aus 14 weiteren Ländern) historisch verbürgt besuchten, konnten dem Gedankengang ihres Gastgebers durchaus etwas ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Peter Krause
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Am Ende rennt sie ihm davon. Frisch getraut, reißt sie sich den Schleier vom Kopf, knallt ihm den Brautstrauß vor die Füße - nichts wie weg! Das ist bei Händel natürlich nicht so vorgesehen, aber aus heutiger Sicht, zumal aus weiblicher Regieperspektive, darf sich eine junge Frau nicht mehr als Dummchen verkaufen lassen – nach all dem, was ihr widerfahren ist....
