Dicht am Heute

Verdi: Attila VENEDIG | GRAN TEATRO LA FENICE

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Epochenumbrüche gehen mit brutalen Verwerfungen einher. Der zwischen Antike und Mittelalter liefert hierfür ein Paradebeispiel. Das Römerreich fällt unter dem Ansturm von Völkern jenseits seiner Grenzen, angeführt etwa von Hunnenkönig Attila. Doch billigt ihm der Regisseur Leo Muscato als Einziger der Hauptfiguren in Verdis 1846 an La Fenice uraufgeführtem Frühwerk menschliche Größe zu. Ob angesichts von Freund oder Feind, Frau oder Mann: Der Herrscher aus den Steppen Asiens achtet Aufrichtigkeit und Tapferkeit. Misstrauen liegt ihm fern.

Kräftig hingegen kratzt Muscato an den Zustimmungswerten für die Opfer und Widersacher des Eroberers. So leitet denn bloße Rache für den Vater und keineswegs der Freiheitskampf für ihr Volk die vermeintliche Heroine Odabella. Sie ist eben keine biblische Judith, zu deren Nachfolgerin sie sich gegenüber dem Geliebten erklärt. Illoyal zu seinem Kaiser, treibt der römische Generalissimus Ezio sein ganz eigenes Machtspiel im Ringen um die Herrschaft über Italien. Selbst Foresto, der die Flüchtlinge vor den Okkupanten in Venedigs für Hunnenreiter unzugängliche Lagune und damit in Sicherheit führt, scheut nicht vor dem feigen Giftanschlag auf Attila. ...

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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Michael Kaminski

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