Diamant, ungeschliffen
Schaut man nicht real hinunter in den Schlund, der an viel zu vielen Orten der Stadt gähnt, sondern imaginär hinauf zu den Musen im Olymp, dann könnte man meinen, es sei neuer Glanz eingekehrt in die Hütte. Leipzig, von nicht wenigen Kulturschaffenden nach wie vor als provinzielles Fürstentum der Kunst belächelt und seit Monaten durch die megalomane Baustelle Citytunnel in seiner Schönheit arg angekratzt, hat, als Stätte der Kultur, erkleckliche Anstrengungen unternommen, um sich in der Spitzengruppe der ersten Liga zu etablieren. Jedenfalls als Musikmetropole.
Historisch gerechtfertigt ist dieser Wille allemal, schließlich war Leipzig nicht nur die Wahlheimat von Gottvater Bach, hier wirkten auch Mendelssohn, Wiederentdecker von Bachs göttlicher Musik, Schumann und einige andere. Mit einem Wort: Es ist jede Menge Tradition im Spiel.
Wenn Leipzig sich nun einen Dirigenten vom Schlag Riccardo Chaillys leistet, geschieht dies nicht, wie manche Kritiker und nicht wenige Bürger der finanziell arg gebeutelten Stadt glauben, als ein Akt des Größenwahns, es geschieht als glaubwürdiger Akt der Behauptung einer geschichtlichen Kontinuität, die neben dem Gewandhaus-Dirigenten Mendelssohn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als kleiner Junge stand auch ich oft mit leuchtenden Augen vor dem Weihnachtsbaum, und ich erinnere mich gern an diese Zeit zurück. Trotzdem empfinde ich Pfitzners «Christelflein» als ein ziemlich ungenießbares Machwerk. Denn hier kommt zusammen, was absolut nicht zusammengehört. Dräuendes Erlösungspathos und affektierte Kindlichkeit, nachwagnerische Leitmotivik...
Dass Bizets Carmen uns nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf der Kinoleinwand begegnet, ist wahrlich kein neues Phänomen. Schon 1954 hatte Otto Preminger den Stoff für einen abendfüllenden Spielfilm mit Dorothy Dandridge in der Titelrolle und dem jungen Harry Belafonte als Don José adaptiert. Von den Armenvierteln Sevillas um 1820 verlegte Preminger die...
In Heidelberg hat sich die neue Intendanz entschieden, in jeder Saison «die spannendste neue Oper des letzten Jahres» zu präsentieren. Den Anfang macht man nun mit «Berenice», uraufgeführt bei der Münchener Biennale 2004 (siehe OW 7/2004). Der junge österreichische Komponist Johannes Maria Staud und sein Librettist, der renommierte Lyriker Durs Grünbein, haben sich...
