Diamant, ungeschliffen
Schaut man nicht real hinunter in den Schlund, der an viel zu vielen Orten der Stadt gähnt, sondern imaginär hinauf zu den Musen im Olymp, dann könnte man meinen, es sei neuer Glanz eingekehrt in die Hütte. Leipzig, von nicht wenigen Kulturschaffenden nach wie vor als provinzielles Fürstentum der Kunst belächelt und seit Monaten durch die megalomane Baustelle Citytunnel in seiner Schönheit arg angekratzt, hat, als Stätte der Kultur, erkleckliche Anstrengungen unternommen, um sich in der Spitzengruppe der ersten Liga zu etablieren. Jedenfalls als Musikmetropole.
Historisch gerechtfertigt ist dieser Wille allemal, schließlich war Leipzig nicht nur die Wahlheimat von Gottvater Bach, hier wirkten auch Mendelssohn, Wiederentdecker von Bachs göttlicher Musik, Schumann und einige andere. Mit einem Wort: Es ist jede Menge Tradition im Spiel.
Wenn Leipzig sich nun einen Dirigenten vom Schlag Riccardo Chaillys leistet, geschieht dies nicht, wie manche Kritiker und nicht wenige Bürger der finanziell arg gebeutelten Stadt glauben, als ein Akt des Größenwahns, es geschieht als glaubwürdiger Akt der Behauptung einer geschichtlichen Kontinuität, die neben dem Gewandhaus-Dirigenten Mendelssohn ...
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26. April 1986: Im Reaktorblock nahe der russischen Stadt Tschernobyl ereignet sich der Unfall, der angeblich niemals passieren sollte. Durch eine Kernschmelze wird Strahlung in hoher Menge freigesetzt, verseuchte Wolken ziehen über Russland bis nach Süddeutschland und weiter. Während seiner Inszenierung von Wagners «Ring des Nibelungen» 1981-1986 am Krefelder...
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Type Casting in der Oper ist ein heikles Thema und dürfte eigentlich keine Rolle spielen, doch dieses Stück bildet eine Ausnahme: Wenigstens ansatzweise glaubwürdig sollte ein Roméo sein. Ramon Vargas ist das nicht. Naiv lächelnd und mit dem unwiderstehlichen Charme eines Baby-Elefanten tappst der über die Bretter. Von Schwärmerei, Liebesrausch, Verzweiflung keine...
