Scheite am Main

Wiesbaden, Wagner: Götterdämmerung

Opernwelt - Logo

26. April 1986: Im Reaktorblock nahe der russischen Stadt Tschernobyl ereignet sich der Unfall, der angeblich niemals passieren sollte. Durch eine Kernschmelze wird Strahlung in hoher Menge freigesetzt, verseuchte Wolken ziehen über Russland bis nach Süddeutschland und weiter. Während seiner Inszenierung von Wagners «Ring des Nibelungen» 1981-1986 am Krefelder Theater waren dem jungen Regisseur John Dew die Gefahren der Kernenergie immer bewusster geworden – in der Katastrophe fand er seine schlimmsten Ahnungen bestätigt.


Beinahe zwanzig Jahre später am Wiesbadener Staats­theater rekonstruiert Dew, mittlerweile Intendant des Darmstädter Staatstheaters, seinen Krefelder «Ring» und lässt zum Weltenbrand einen Effekt aufführen, der ihm in Zeiten des möglichen Ausstiegs vom Ausstieg aus der Nuklearenergie die gegenwärtigste Gefahr bedeutet: Ein kleiner «Atompilz» blitzt vor einer Stadt­kulisse auf, der Rhein tritt über die Ufer, ein letzter Wechsel von Lichtervorhängen gibt den Blick frei auf das Universum. Und zu den schwärmerischen Klängen von Sieglindes Liebesmotiv trägt der karge Stumpf der Weltesche ein junges Grün: «Tannhäuser» lässt grüßen, wo der grünende Pilgerstab des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2006
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Die lustige Witwe» wird hundert

Herbert Wernicke hätte es wohl gefallen, dass sein Basler Bühnenbild für den ersten Teil von Händels «Israel in Egypt», das letzte, das er vor seinem Tod im Früh­jahr 2002 noch entwerfen konnte, in der Jubiläums-Inszenierung der «Lus­tigen Witwe» in Hannover konserviert und produktiv weiterentwickelt wird. Mit dem Zuschauerraum des Bayreuther Festspielhauses auf...

Tschaikowsky: Pique Dame

Schon zwei Wochen bevor der neue Generalmusik­direktor der Frankfurter Oper bekannt gegeben wurde, zeigte das Orchester eindeutig, wen es auf diesem Pos­ten sehen will: Für Sebastian Weigle legten sich die Musiker bei der Premiere der «Pique Dame» mächtig ins Zeug und produzierten einen satten Tschaikowsky-­Sound der Spitzenklasse – eine klare Abstimmung mit den...

Im Schatten des Vaters

Zwischen 1899 – da war Siegfried Wagner bereits dreißig Jahre alt – und seinem Tod im Jahr 1930 hat der einzige Sohn Richard Wagners vierzehn abendfüllende Opern vollendet, zwei im Particell hinterlassen und von zweien nur den Text fertiggestellt. Daneben wirkte er auf ausgedehnten Konzertreisen als Dirigent, inszenierte im Sommer in Bayreuth und leitete oft das...