Deutschstunde
Das sind so Einfälle ... Im Brautgemach, als für Elsa und Lohengrins Glück schon alles zu spät ist, steht in der Mitte ein Riesenwecker auf fünf nach zwölf. Die beiden nehmen dann aber die Zeiger ab, mit dem einen wird Lohengrin gleich den eindringenden Telramund erstechen. Vorher aber versteigen sie sich in einem Fundus einwandfrei deutscher Kultur. Goethe, Hölderlin, Hegel usw. Schwan auch. Es wird auch viel Hände gerungen, und es werden einmal mehr viele Koffer getragen, von denen, die Opfer dieser Düsterkultur sind.
Sie ziehen vorbei an Celans Vers an der Wand, nach dem der Tod ein Meister aus Deutschland sei. Auch in der sechsten Vorstellung war der Regisseur Olivier Py persönlich auf der Bühne erschienen, um vorab die Frage zu beantworten, warum hier die «Lohengrin»-Story mit dem Nazireich in Verbindung gebracht werden müsse: weil Wagner Antisemit war, weil er als Symbol für die deutsche Kultur genommen werden kann, weil die Nazis Wagner mochten und weil der Lohengrin selbst ein politisches Stück sei, inklusive Vision eines Germanenreichs, die noch einen Hitler inspirierte.
Daran ist nicht zu rütteln, allenfalls mag man sich wundern, dass es so prominent und so explizit ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Holger Noltze
Was tun, wenn jedes Instrument und jede vorstellbare Spieltechnik (oder Gesangstechnik oder Vortragsweise) erprobt, in die musikalische Praxis integriert und in mediale Kreisläufe eingespeist wird? Wenn also jeder Klang zugleich sedimentierte Musikgeschichte ist? Wenn das Publikum in so ziemlich allem, was es zu hören bekommt, nicht zunächst das Neue wahrnimmt,...
Natürlich haben die Großen der Musikwissenschaft sein «Ave Maria» verachtet. Was Charles Gounod da mit seiner 1854 veröffentlichten «Méditation sur le célèbre prélude de Bach» gemacht hat, ist purer Kitsch, die Versetzung des Gebets in die Sphäre der Salonmusik, rügt Carl Dahlhaus. Theodor W. Adorno nennt das Stück in seinen «Musikalischen Warenanalysen» gar eine...
Frau Romaniw, Sie sind nach dem Konservatorium nach Houston ins Opernstudio gegangen – eine schwierige Zeit für Sie.
Diese Nachwuchsprogramme nehmen einen hart ran. Das muss wohl auch so sein. Die Gelegenheit, mit erfahrenen Kollegen den Theateralltag zu teilen und auf der Bühne zu stehen, fand ich unbezahlbar. Doch stimmlich fing ich gefühlt wieder bei Null an.
Wi...
