Deutschstunde
Das sind so Einfälle ... Im Brautgemach, als für Elsa und Lohengrins Glück schon alles zu spät ist, steht in der Mitte ein Riesenwecker auf fünf nach zwölf. Die beiden nehmen dann aber die Zeiger ab, mit dem einen wird Lohengrin gleich den eindringenden Telramund erstechen. Vorher aber versteigen sie sich in einem Fundus einwandfrei deutscher Kultur. Goethe, Hölderlin, Hegel usw. Schwan auch. Es wird auch viel Hände gerungen, und es werden einmal mehr viele Koffer getragen, von denen, die Opfer dieser Düsterkultur sind.
Sie ziehen vorbei an Celans Vers an der Wand, nach dem der Tod ein Meister aus Deutschland sei. Auch in der sechsten Vorstellung war der Regisseur Olivier Py persönlich auf der Bühne erschienen, um vorab die Frage zu beantworten, warum hier die «Lohengrin»-Story mit dem Nazireich in Verbindung gebracht werden müsse: weil Wagner Antisemit war, weil er als Symbol für die deutsche Kultur genommen werden kann, weil die Nazis Wagner mochten und weil der Lohengrin selbst ein politisches Stück sei, inklusive Vision eines Germanenreichs, die noch einen Hitler inspirierte.
Daran ist nicht zu rütteln, allenfalls mag man sich wundern, dass es so prominent und so explizit ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Holger Noltze
Dass der zeitgenössische Kunstmarkt eine Finanzblase für hysterische Spekulanten sei, gehört fast schon zu den Allgemeinplätzen. Die einen bringen dort Haie in Formaldehyd oder diamantbesetzte Totenköpfe für Millionen an den Sammler, die anderen anscheinend kleine leuchtende Würfel. Cardillac heißt der Künstler, der diese Würfel am Salzburger Landestheater unter...
Wissen Sie, was «Belcanto» ist? Laut der großen Musikenzyklopädie MGG war «das ‹Goldene Zeitalter›» dieses Gesangsstils «das 18. Jh. und insbesondere seine erste Hälfte». Doch verwendet wird der Begriff heute nicht für Musik vor 1750, sondern für Rossini, Donizetti, Bellini (und manchmal sogar Verdi). Das ist Unfug, wie uns der italienische Wikipedia-Artikel...
Jules Massenets «Conte de fées», seine Lesart also des über das Aschenbrödel-Märchens, wird selten gespielt. Wie Rossini in der ungleich populäreren Version «La Cenerentola» setzt auch Massenet in seiner 1899 uraufgeführten Märchenoper die ekstatischen Traumbilder von Cendrillon und ihrem Märchenprinzen – im französischen Original «Le Prince Charmant» – in einen...
