Großes Kino
Vielleicht lag es an der Komplexität der Partitur, vielleicht am Zeitpunkt der Pariser Uraufführung 1936, wenige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Vielleicht lag es aber daran, dass Georges Enescu nicht die Bedeutung zukam, die er als Komponist verdient hätte. «Oedipe» jedenfalls, seine einzige Oper, schaffte es nie in den Kanon. In Deutschland wurde das Werk erst spät «entdeckt». Nun wagte die Theater & Philharmonie Thüringen in Gera eine aufwendige Produktion mit großem Orchester und Chor; Mittel des Theaterpreises des Bundes 2017 halfen dabei.
Enescu setzt uns einem Wechselbad musikalischer Stilelemente aus. Viel Spätromantisches ist zu hören, manchmal wird es monumental, geradezu brachial, mal schwelgen die Streicher im Kitsch. Und immer wieder blitzt die Moderne auf, nicht im klassischen Sinne, sondern heutig, zeitgenössisch. Enescu traute sich was, fand im Konglomerat die eigene Stimme. Eindrücklich zeigt sich sein Mut am Kulminationspunkt: Oedipus wird bewusst, dass die Weissagung des Orakels längst eingetroffen ist, er seinen Vater ermordet und mit der Mutter Kinder gezeugt hat. Da liegen lange, scheinbar frei gewählte Töne nebeneinander, alles steht still – und Sébastien ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Nora Sophie Kienast
Frau Romaniw, Sie sind nach dem Konservatorium nach Houston ins Opernstudio gegangen – eine schwierige Zeit für Sie.
Diese Nachwuchsprogramme nehmen einen hart ran. Das muss wohl auch so sein. Die Gelegenheit, mit erfahrenen Kollegen den Theateralltag zu teilen und auf der Bühne zu stehen, fand ich unbezahlbar. Doch stimmlich fing ich gefühlt wieder bei Null an.
Wi...
Über manches darf man sich bei dieser «Carmen» im Stadttheater Bern wundern. Über die Herren im Anzug zum Beispiel, die im ersten Rang dreist auf der Treppe ganz am Rand Platz nehmen. Nun, es sind Choristen, die aus dem Zuschauerraum heraus agieren. So wie José, der als artiger Premierenbesucher vorn im Parkett sitzt und sich – nachdem ihm Carmen nicht eine Blume,...
Herrlich, diese Karikatur! Vier Komponisten (Siegfried Wagner, Max Reger, Richard Strauss, Eugen d’Albert) und ein Dirigent (Arthur Nikisch) stehen da, mehr oder minder gramgebeugt und recht ratlos, wie es scheint, um einen Flügel herum. Auf einem Stuhl davor ein Winzling, dessen zarte Füße nicht einmal im Traum an die Pedale reichen würden, dessen (bebrilltes)...
