MEDIENMAFIA: Dmitri Tcherniakovs Berliner «Zarenbraut»
In seiner Berliner Inszenierung situiert Dmitri Tcherniakov Rimsky-Korsakows meist als historisch-romantisches Rührstück verkitschte «Zarenbraut» in der medialen Gegenwart eines russischen Fernsehstudios, wobei immer wieder punktgenaue Überblendungen, aber auch irritierende Brechungen zwischen der realen Eifersuchtstragödie und der von der Medienmafia inszenierten virtuellen Welt entstehen (siehe OW 11/2013).
Optisch besonders sprechend die ausschnitthaft auf die Ausmaße eines Panoramafensters verkleinerte neo-bourgeoise Idylle der missbrauchten Zarenbraut Marfa, deren Tod dann allerdings das Film-Casting sprengt. Dass die Spannung dieses Gegensatzes bis zum Schluss trägt, liegt nicht nur am differenzierten und zugleich emotional pulsierenden Spiel der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim, sondern vor allem an den exzellent geführten Solisten.
Johannes Martin Kränzle überzeugt als brutal wie verschlagen intrigierender Grjasnoj, liefert – sentimental-zwielichtig, angespannt bis in die Mundwinkel – eine glänzende Charakterstudie. Anatoli Kotscherga als Marfas eitel-stolzer Vater Sobakin und Anita Rachvelishvili als Grjasnojs betrogene, eifersüchtige Geliebte Ljubascha stehen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Uwe Schweikert
Fahler Glanz flackert im Raum. Schneegrau schimmern Wand und Boden, salzmatt die Kleider. Der Stuhl, das Boot, das Bett. Mitten im Leeren steht eine Tür: Regisseur Graham Vick und sein Bühnenbildner Richard Hudson bezeichnen damit den Übergang zwischen zwei unscharf abgegrenzten, doch existenziell verschiedenen Zuständen: Leben und Tod. Denn um diesen Übergang geht...
Riesige Geschenkschachteln in Rosarot und Himmelblau stehen überall herum. Sie bilden das szenische Fundament der Chemnitzer Neuproduktion von Alexander von Zemlinskys Einakter «Der Zwerg». In diese nicht nur räumlich, sondern auch ideell begrenzte, scheinbar makellose Welt passt einer wie er einfach nicht hinein: Kleinwüchsig und missgestaltet ist dieser Zwerg,...
Jubilare
Sie kam in Yorkshire zur Welt, erhielt ihre Gesangsausbildung in Leeds sowie an der Guildhall School of Music and Drama in London und debütierte mit der Glyndebourne Touring Opera als Despina in Mozarts «Così fan tutte». Sandra Dugdale gilt als eine der führenden britischen Koloratursopranistinnen ihrer Generation. Sie hat über 80 Rollen auf europäischen...
