Der treue Friedrich
Es war das perfekte Geschenk zum 20. Geburtstag Ludwigs II. In einem elektrisch beleuchteten Kahn ließ sich der junge Flügeladjutant nachts bei Schloss Hohenschwangau über den Alpsee ziehen, im Schwanenritterkostüm den Lohengrin singend. Paul von Thurn und Taxis, Spross einer alten Regensburger Adelsfamilie und nur zwei Jahre älter als der junge König von Bayern, war ebenso gutaussehend wie anscheinend hochmusikalisch.
Kein Wunder also, dass Ludwig ihn in einer homoerotisch getönten Beziehung nicht nur eng an sich band, sondern auch Paul bald in das symbiotische Verhältnis zwischen dem König und seinem Lieblingskomponisten verstrickt wurde. Nachdem Richard Wagner, unter anderem wegen seiner Beziehung zu Cosima von Bülow, München hatte verlassen müssen, arrivierte Paul zum wichtigsten Mittelsmann zwischen dem schweizerischen Tribschen und der bayerischen Hauptstadt. Dabei (be)nutzte ihn Wagner immer wieder auch, um politischen Einfluss auf den König zu nehmen. Vor allem sollte Paul verhindern helfen, dass Ludwig zurücktrat – was den Komponisten sofort von seiner wichtigsten Geldquelle abgeschnitten hätte. Dennoch ließ der König Paul zweieinhalb Jahre nach seinem Regierungsantritt ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Michael Stallknecht
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